?Machen wir jetzt mal einen Film rein, oder??
Sicher. Endlich. Irgendwie wusste ich, das diese Frage früher oder später kommen wird. Deshalb habe ich auch vorsorglich schon mal die DVD ?Die Unglaublichen? aus den Umzugskartons gezogen. Da wir diesen Film auch für den Klipsch und Lexicon vs. Arcam Soundcheck bei Fairland eingesetzt haben, halte ich diese DVD für prädestiniert als erste DVD in meinem neuen Kino. Quasi ein Muss.
Als Testszenen kamen heute wie damals die Szene mit den beiden Kindern in der Höhle auf der Insel (Raketenstart) sowie der Sprung des Vaters auf die Insel-S-Bahn und der Einbruch in die Zentrale des Bösewichtes zum Einsatz.
Es geht los.
Der Raum wird zum ersten mal ganz abgedunkelt um einen Film zu schauen und viel wichtiger noch zu hören. Zu erleben. Ich sitze auf ?meinem? Platz, vorne rechts. Links neben mir, niemand geringeres als Herr Henne von Fairland. Vor uns die 3m Screenresearch auf der nun das Menü der DVD ?Die Unglaublichen? erscheint.
Exkurs:
Wir sind jetzt hier an einer Stelle, an der ich beim besten Willen nicht mehr einzelnen Komponenten den ursächlichen Erfolg für die hier dargebotene Qualität zuzuordnen vermag.
Ist es der Raum mit seiner optimierten Akustik, sind es die Speaker, die Endstufe, der Prozessor, der Player oder gar die Kabel? Ich weiß es nicht. Vielleicht lässt sich das durch experimentell nachvollziehen, was aber die Frage nach dem Sinn aufwerfen würde.
Wer ist für die Begeisterung eines klassischen Konzertes verantwortlich? Die Streicher, die Bläser, der Dirigent? Der Saal? Meine Erfahrungsberichte beziehen sich also auf ein Gesamterlebnis, ein Konzept, bei dem auch der Film und seine technische Umsetzung eine Rolle spielt. Für mich gilt nur das Bottom Line Ergebnis. Und darüber möchte ich nun sprechen bzw. schreiben. Ein Kinoerlebnis als ganzes, auch wenn ich immer wieder versucht bin, einzelne Komponenten und ihre Teilleistung am Gesamtkunstwerk zu würdigen. Und genau dieses Interesse für die Teile der Kette ist die Grenze zwischen ?einfachem? Filmgenuss und dem Hobby Heimkino, dem ich nun fröhnen werde, bis der Arzt kommt.
Aber nun zurück zum Film.
Das Menü der Unglaublichen. Unglaublich wieviel Sound da schon drin steckt. Laut, klar, deutlich. Wieder diese Präzision im Hochtonbereich, die ich so nur von Hörnern kenne. Auch gar nicht mehr nervig. Spielt euch ruhig weiter ein.
?Welches Kapitel wollen wir uns ansehen? Die vom letzten mal??.
Sicher! Türlich! Wat sons?
Wir suchen in der Kapitelübersicht, während ich schon still und heimlich die Hintergrundmusik des Menüs geniesse. Gefunden.
Die beiden Kinder in der Höhle, wo der Sohn den Raketenabschuss entdeckt und beide die Höhle fluchtartig verlassen müssen, um nicht von dem Feuerstrahl gegrillt zu werden.
Die Höhle. Prasselndes Lagerfeuer. Hallig. Volltreffer. So sollte es sein. Nicht mein Raum klingt, sondern der auf dem Soundtrack des Filmes. Ich bin quasi in der Höhle. Der Traum von einem Bild trägt sicher auch seinen Teil dazu bei. Ich liebe meinen Beamer. Und die 3m breite Leinwand. Und ich liebe den Sound. Vor allem der, der direkt aus dem Bild kommt. Stereoeffekte in einer Breite, wie sie dem Bild entsprechen.
Wenn man wie ich früher seine Lautsprecher neben und unter die Leinwand gestellt hat, ist man angesichts dieses Quantensprunges der beim Einsatz einer akustisch transparenten Leinwand eintritt begeistert. Reine Wahrnehmung. So muss es sein. Die Stimme kommt direkt aus dem Kopf der Figuren, nicht darunter, darüber oder noch schlimmer, daneben.
Wo sind die hinteren Lautsprecher? Egal. Ich bin in der Höhle, das Kino ist die Höhle. Warum sich mit der Ortung der Surrounds oder Rears beschäftigen. Doch. Da sind sie. Die Surroundeffekte. Hinten wird das prasseln des Feuers leiser, vorne engt sich der akustische Raum auf den Durchmesser einer langen Röhre ein. Ganz hinten, am Ende der Röhre muss sie wohl sein, die Rakete.
Zwischenschnitt. Die Rakete hat die letzten Zentimeter zur Startrampe hinter sich gebracht und rastet ein. Dann passiert es. Irgendjemand, nein irgendetwas tritt mir von hinten in die untere Wirbelsäule. Vorne bleibt mir die Luft weg. Die muss wohl von den Membranen des Subs angesaugt worden sein. Was war das? Waren das die beiden Subs? Wenn das meine Verlobte erlebt, schaut die nie wieder einen Film hier unten. Selbst mir ist ja noch ganz komisch.
Die Rakete zündet. Zu dem Bass gesellt sich jetzt noch ein Fauchen und Dröhnen (Mitteltonbereich wohlgemerkt). So hört das wohl an, wenn man unter einer startenden Rakete steht. Und die Klipschs rufen immer wieder: ?Ist das alles???????????.
Bitte ja. Buttkicker noch zusätzlich? Seid ihr bekloppt? Wenn ich jemals Nierensteine hatte, sind die jetzt garantiert zertrümmert.
Die Kids fliehen aus der Höhle. Ich kann wieder atmen. Meine Fresse!
?Irgendwie wenig Dynamik, oder??
WAS???? Hier leidet wohl jemand an Realitätsverlust! Was ist denn dann Dynamik? Jedenfalls nichts, was man auf Dauer aushält.
?Machen wir mal die andere Szene an, die ist eine größere Herausforderung.?
??? Für wen??? Die Anlage oder mich? Aber ich will es ja auch. Ich bin nur noch so in der Höhle gefangen, das ich kaum mitbekomme, wie Fairland mal eben die Szene anwirft, wo Mr. Incredible sich von einem Felsen auf diese Schienbahn auf der Insel wirft und die beiden Insassen mal eben durch die Türen zieht.
Mr. Inc. liegt auf dem Felsen und ist Absprungbereit. Ich nicht. Er springt trotzdem. Das Pfeifen des Windes und das Rascheln der Palme ist toll. Der Aufschlag auf den Wagen ist zu heftig. Raus mit den Türen, raus mit den Typen. AUA! Das ist einfach zu heftig. Platsch. Na ja. Jetzt höre ich auch was. Es ist nicht so fein aufgelöst, wie man sich das maximal vorstellen könnte. Aber feiner habe ich die Szene auch noch nie gehört. Und während ich überlege ob es bei Fairland damals anders klang, fliegt auch schon der zerknüllte Wagen auf die Wächter. Wums! Herr Henne hat in der Zwischenzeit die Einstellungen gecheckt oder geändert oder was weiß ich. Ich bin im Film. Stop.
?Die Dynamik und Auflösung sollte selbst bei einer nicht eingespielten Anlage jetzt schon besser sein. Ich glaube es liegt an dem Filter der Netzleiste.?
??? Häh. Voodoo? Strom war doch da. Und bestimmt nicht wenig. Soll ich nicht lieber mal 40 Filme in 80 Stunden schauen und dann sehen wir mal?
?Ich habe eine andere dabei, die kann ich ihnen zwar nicht da lassen, aber ich würde es mal gerne ausprobieren, ob das einen Einfluss hat. Ist ja auch schnell ausgetauscht.?
Ok. Hauptsache der Film geht weiter.
Eine neue Netzleiste dran. Gleiche Szenen noch mal.
ACHTUNG: Ich glaube an Physik und die Naturgesetzte im Allgemeinen. Ich halte eine HMS Netzleiste schon für gut, weil sie stabil ist und weil ein Filter doch ganz gut sein soll. Ich bin bekloppt. Und ich habe keine Ahnung. Aber schon viele Kabeltests gemacht und war immer der Meinung, das es, wenn es überhaupt einen Unterschied gab, der keine paar hundert Euro Wert ist.
Die neue Netzleiste (Firma habe ich vergessen, kommt aus dem Studiobereich) wäre genau so teuer wie die HMS Leiste.
Also. Gleiche Szenen noch mal. UNTERSCHIED!!!!!! UNTERSCHIED!!!!!! Viel feinere Auflösung, viel bessere Dynamik. Ich schaue Herrn Henne ungläubig an, der grinst zufrieden.
?Hören Sie? In so einem Raum, mit der Anlage hören sie einfach jeden Unterschied. Und dieser hier ist sogar recht groß. Schreiben Sie darüber aber besser nichts im Forum, die werden ihnen nicht glauben oder sie als Spinner abtun.?
Liebes Forum,
es ist mir egal ob ihr mir glaubt und mich als Spinner abtut. Der Unterschied zwischen den beiden Netzleisten, die beide ungefähr das gleiche kosten, ist immens. So wie zwischen einer Arcam Endstufe (verdammt, habe auch da die Bezeichnung vergessen) und einer Lexicon LX-7.
Ich weiß nicht, ob man den Unterschied bei einer anderen Anlage oder einem anderen Raum hören kann. Ich kann es. Und die Leiste gebe ich nicht mehr her.
?Ich lasse ihnen die da und wenn sie wollen, bestelle ich ihnen eine eigene. Die tauschen wir dann beim nächsten mal.? Ich will!!!!!!!
Will jemand eine HMS Steckerleiste mit 8 Anschlüßen und Filter kaufen?
Ich wünschte, ich könnte euch den Unterschied besser beschreiben als mit so strapazierten Worten wie Auflösung und Dynamik. Aber das trifft es einfach. Der ganze Sound ist besser. Ich verstehe nicht, wie ein Netzleistenfilter so einen Einfluss haben kann. Als hätte man die Dynamikkompression im Prozessorausgeschaltet.
?Ein Filter filtert leider auch die Dynamik.?
Bei mir nicht mehr.
So, jetzt beide Szenen noch mehrfach gehört. Henne stellt am MC-4 rum, läuft rum, sitzt auf allen Plätzen. Ich mach es ihm nach. Das Laufen und das Sitzen.
?Gehen Sie mal von vorne nach hinten im Raum und achten sie mal darauf, ob sich was verändert??
Häh? Ok. Ich gehe vom Rechten Frontspeaker zum Back Surround Rechts. Hin und her.
?Und??
Ich verstehe die Frage nicht. Intellektuell.
?Was fällt ihnen auf??
Das es leiser wird, wenn ich nach hinten gehe.
?Genau. Und NUR das sollte sich auch verändern. Nicht die Tonhöhe, nicht die Klangfarbe. Einfach nur einen lineare Veränderung der Lautstärke.?
Ach so. Ja so isset. Vorne, direkt am Lautsprecher ist es lauter, hinten leiser. Ansonsten verändert sich nichts.
?Wir haben die Raumakustik ganz gut in den Griff bekommen. Ich bin zufrieden.?
Und ich erst mal. Ich bin glücklich. Überglücklich. Ich bin am Ziel.
?Wir sind aber noch nicht am Ziel. Erst muss sich die Anlage einspielen, der Raum komplett fertig gebaut sein und dann machen wir noch die finale Einmessung und ggf. notwendige Frequenzgangbegradigungen, wenn nötig. Das wäre aber wirklich minimal.?
Ok. Wenn es noch besser geht, warum nicht. Vielleicht mal für einen Besucher, der bei dem jetzigen Klangniveau nicht ganz zufrieden ist. Häh? Na ja, warten wir´s ab. Man gewöhnt sich ja schnell an Luxus und eine kleine Verbesserung alle paar Monate, warum nicht. Fairland hat sich in dem Projekt mein Vertrauen erarbeitet, gerade eben wieder mit dieser Netzleistengeschichte, warum nicht warten bis alle Profis zur finalen Abnahme den Raum auf Herz und Nieren prüfen?
?Ich denke für heute sind wir fertig. Sie können die Einstellungen ja noch anhand der Anleitung ihren individuellen Wünschen anpassen. Jetzt sollten sie erstmal alles einspielen, hören und sich mit dem neuen Raum vertraut machen.?
Hechel. Ein wenig zu eifrig helfe ich Herrn Henne beim zusammenpacken, danke tausendmal und freue mich schon auf das nächste mal. Noch schnell die next Steps abgesprochen, und dann wieder runter in den Keller. 30 Minuten Zeit habe ich ja noch?
Doch dazu später mehr?
Euer ceoofhell