Hi mhaydn,
grundsätzlich erstmal Gratulation, Du hast so gut wie alles richtig gemacht:
- Akkustik als Thema nicht unterschätzt oder gar ignoriert
- Akkustiker involviert
- (hoffentlich) Akkustikstoff statt Molton etc
- kein Teppich sondern Holzboden
- Raumgrösse aufgegeben für effektive poröse Absorber und Resonatoren
Klasse. Ist für mich neben meinen aktuellen eigenen Projekt das interessanteste hier im Interwebz
Jetzt ein paar Sachen die mir aufgefallen sind:
A.) "Bauanleitungen für Plattenschwinger sind falsch. Dämmstoff muss im Volumen möglichst nach vorne aber nicht die Membran berühren."
Im Internet steht in der Tat viel Scheiss, auch beim Thema Akkustik. Gerade beim Thema Berechnen von Resonatoren ist das eine Katastrophe.
In diesem Fall bin ich aber nicht sicher, ob das so stimmt. Ja, die Membran darf die Wolle nicht berühren, eh klar.
Aber Deine (oder seine) Erklärung mit Schallschnelle von der Wand weg etc... Das spielt alles bei porösen Absorbern eine Rolle, aber doch nicht für Plattenresonatoren. Die Wellenlängen um die Eigenfrequenz des Resonators herum, also die bei denen er Wirkt, 'stehen' ja nicht in dem relativ kleinen Volumen. Vielmehr gelten für das Volumen bei diesen Frequenzen die Gesetzmässigkeiten der Druckkammer (das ist der Frequenzbereich unterhalb des modalen Bereichs). Die Luft wird durch die Membran komprimiert, die Wolle wandelt die Energie in Wärme um.
Unabhängig von der Theorie hatte ich das auch experimentell probiert und war zu dem Ergebnis gekommen, dass Dämmstoff hinten an der Wand am unproblematischsten ist und bei mir auch noch die besten Ergebnisse erzielt hat.
Kannst Du gerne selber nochmal probieren, bevor Du das bei 60 Absorbern suboptimal machst und das mit höherem Aufwand (Berührungsgefahr). Oder ich mach Dir mal ne Testreihe und poste die hier.
B.) "Membran muss hart gespannt sein."
Ist so auch nicht richtig. Weil ich da damals auch grossen Aufwand gerochen hab, hatte ich das mit Jochen Veith geklärt. Ist laut ihm nicht notwendig, bestätigen auch meine Tests.
Der Plattenabsorber funktioniert nicht wie eine Trommel. Eine stramm gespannte Membran ist weder notwendig noch hilfreich. Sie wird durch die Wellen im Hauptraum angeregt und schwingt um Ihre Eigenfrequenz herum mit. Das Mitschwingen wird durch das Flächengewicht der Membran und das projezierte Volumen, dass die Membran in der Druckkammer sieht, bestimmt.
Spannung hilft dabei nicht, im Gegenteil. Neben dem eigentlichen Druckkammer Effekt wandelt die Schwerfolie beim Schwingen zusätzlich Energie durch Verformung um.Drum sind Folienabsorber auch breitbandiger als Holzplattenabsorber.
Mit dem im Hinterkopf geht das Problem eher in die andere Richtung. Der weiche PVC der für Folienabsorber notwendig ist, wird über die Jahre a) aushärten und b) schrumpfen. Dadurch wird der zweite genannte Effekt im Laufe der Zeit deutlich eingeschränkt. Darum ist zu hohe Vorspannung eher hinderlich. Und die Wahl eines guten Membranmaterials wichtig.
Und ja, auch das hab ich alles gemessen. Ich spanne die Membran immer, aber nicht wie ein Hirsch. Und schon gar nicht mit Tricks wie Wärme. Leichtere Membrane dürfen natürlich nicht 'labbern', sonst ist ein freies Schwingen nicht gewährleistet.
C.) "PVC Boden"
Es ist nicht so einfach geeignete Schwerfolie zu finden, die geeignet ist und bezahlbar. Gerade im Bereich PVC Böden sind oft so viele verschieden 'Schichten' mit unterschiedlichen Charakteristika verbastelt, dass diese sich oft nicht perfekt eignen. Beschreibst Du mal was Du da hast? Oder machst ein Makro-Foto?
D.) "Hinten müssen ein die Absorber ein paar Centimeter niedriger werden."
Ist richtig, dass es gilt eine Balance von der absorbierten Fläche zu finden, damit das Zimmer nicht überdämmt in den Mitten/Höhen wird (den Bass kann man nicht überdämmen).
Allerdings kannst Du Dir ja ausrechnen, das ein paar wenige Absorber ein paar Centimeter kleiner machen Gesamtflächenmässig ein Tropfen auf den heissen Stein ist. Wenn ich mir das anschaue, wird das das Flächenverhältniss weniger wie 1% beeinflussen. Wenn es deswegen dann überdämmt ist, ist was völlig falsch berechnet worden. Oder eher einfach Panik am falschen Platz.
Mir würde eher zu denken geben, dass die hinteren Absorber aussehen, als wären sie jetzt nur 40cm hoch. Minus Holzleistenrahmen ist die schwingende Membranhöhe also um die 32cm. Da mit den hinteren Folienschwingern die ganz kritischen Längsmoden abgefangen werden sollen ist das ein Problem. Für solche Frequenzen (oder bei Plattenresonatoren im allgemeinen) sollte keine Dimension deutlich unter 50cm sein, damit eine effektive Kopplung entsteht.
Sind diese schmalen Absorber die einzigen Resonatoren an der hinteren (und vorderen) Wand?
E.) Grundsätzliches
Was ich noch nicht verstehe an der Konzeption. Sehe ich das richtig, dass in dem mittigen 'Band' an der Wand ein 23cm Aufbau rundrum entsteht und drüber und drunter dann eine Stufe zurück bis an die Wand?
Sieht das nicht komisch aus? Der Platz ist eh schon (sinnvoll für akkustik) verschenkt. Warum dann nicht 'optisch' auf dem 23cm Niveau den Stoff komplett von Decke bis Boden?
Der Platz über und unter den Absorbern ist für akkustische Massnahmen verschenkt. Und weil das so ist, sind 'Breitband' Absorber notwendig. Allerdings sind diese nicht wirklich optimal.
Die abzustimmende Frequenz des Plattenabsorbers bestimmt (neben dem Foliengewicht) die Dicke des modalen Absorbers. Soweit so gut. Aber:
1.) Können nicht die ganze 23cm für den modalen Absorber genutzt werden, was deutlich effizenter wäre.
2.) Bleibt immer nur ein variabler 'Rest' für den genauso wichtigen porösen Absorberanteil. Der für sich mit den ganzen 23cm wesentlich optimaler wäre.
Kurz um, wenn die Folienschwinger und die porösen Absorber entkoppelt worden wären, wäre jeder für sich kein Breitbandabsorber mehr (oder besser 2-Band mit Löcher), aber zusammen betrachtet hätte man eine viel breitbandigere Absorbtion hinbekommen.
Kann ich so nicht nachvollziehen das Design.
Schlusswort:
Bevor Du jetzt völlig verunsichert bist bei all dem Aufwand den Du betreibst. Auch wenn Du alles genau so fertig baust wie geplant, wird das Zimmer sehr gut klingen. Besser als was 99% der Leute hier haben (was keine Kunst ist, da ja die meisten das Thema noch ignorieren).
Hier nochmal eine Einschätzung meiner Themen:
A.) Kannst Du probieren was besser ist. Deine Method ist etwas mehr Auwand wegen grösserer Gefahr dass Wolle Membran berührt. Unterschied in der Performance wird marginal sein, siehe oben.
B.) Würde ich nicht machen das harte Spannen. Lohnt sich nicht, im Gegenteil. Unterschied heuer gering, nach Aushärten und Schrumpfen kritischer.
C.) Mich würde der Aufbau der Schwerfolie mal interessieren. Da gibts auch schwarze Schafe. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass Materialwahl bzgl. Effizient bei Plattenabsorbern der grösste und wichtigste Faktor ist.
D.) Ball flach halten. Die schon gebauten Rahmen kleiner machen würde ich mir schenken. Die Angst vor dem Überdämmen kommt ja vom porösen Anteil und in keinster Weise vom Plattenschwinger!! Lösungsvorschlag:
Einfach die Fläche der vorderen, porösen Schicht um 20cm jeweils kürzen. Damit hast Du a) den selben Effekt bzgl Mitten/Höhen Überdämmung. Und b) arbeitet der Folienabsorber dahinter noch gescheit da nicht nur 40cm hoch.
E.) Das finde ich einfach sehr komisch und willkürlich, wenn ich alle Eckparameter verstanden habe. Mit 23cm Platzpotential an allen Wänden kann man noch mehr rausholen. Die Idee mit den Breitbandabsorbern limitiert sowohl den modalen wie auch den porösen Bereich der Absorber. Mit GENAU den Rahmen die Du baust, kannst Du das deutlich effizienter machen. Wenn, ja wenn, es da keine höhere Absicht von Dir gibt, dass es bei diesem 'Band' in der Mitte bleiben muss zurückgesetzter Wand darüber und darunter.
Gruss