Willkommen Freunde gepflegter Heimkino-Unterhaltung. Es geht
wie versprochen weiter. Allerdings erstmal mit Berichten aus der Vergangenheit
(oder Gruft, je nach Perspektive).
Ich hoffe ich bekomme es hin, mit der gleichen Begeisterung
über ein neues Gerät in 2009 zu schreiben, wie ich es heute über ein aktuelles
machen würde. Andererseits habe ich nun auch den Luxus, 3 Jahre Erfahrung und
hunderte von Filmen später in eine aktuelle Bewertung einfließen zu lassen.
Damit ihr mir folgen könnt, versuche ich aktuelle Gedanken klar von den
damaligen zu trennen. Und wo etwas unklar oder verworren wirkt, schreibt mir
einfach und ich versuche die Zeitstränge zu entwirren.
Wir schreiben den März 2009. Mein Heimkino besteht zu diesem
Zeitpunkt aus einer Lexicon MC4/LX7 Vor-Endstufen Kombi, einem Pioneer LX71,
Klipsch THX Ultra2 7.2 System, Marantz VP11S1 und so weiter und so fort (kennt
ihr ja, ansonsten macht es auch immer wieder Spaß von Seite 1 an zu lesen…).
Meine letzten Posts aus dieser Zeit findet ihr ab Seite 24 im Thread.
Bestellt (bei Fairland Cinema) sind ein SIM2 Lumis Host und
ein Pioneer LX91. Der Pioneer LX91 kommt eher, da der SIM2 später kommt.
Nämlich nicht Mitte März sondern etwas später, ich glaube Ende März.
Aber schließlich kommt er. Mein SIM2 Lumis Host. Im
Gegenwert eines Mittelklassewagens, angeliefert von dem visuellen Schwergewicht
Herrn Berberich. Auch Herr Henne ist anwesend um die Aufbau mit handwerklichem
Geschick zu unterstützen.
Über den Beamer brauche ich an dieser Stelle nichts zu
wiederholen, das habe ich zu genüge im Thread getan. Jetzt war für mich nur die
bange Frage, ob der Beamer aus der Serie das Vorserienmodell toppt. Berichte
aus den USA und auch hier aus dem Forum, welche sich wiederum auf die Berichte
aus den USA stützen, ließen Zweifel oder zumindest Sorgen aufkommen. Und das,
obwohl mein Demogerät schon nicht zu Höchstleistungen fähig war. Jetzt kam
meiner, mein finaler und für immer (lach) Beamer, bei dem ich keine, aber auch
absolut keine Kompromisse zulassen werde. Nicht für diesen Preis. Nicht mal für
die Hälfte.
Herr Berberich montiert den Beamer in kürzester Zeit unter
die Decke (Fehler 1 - ein neues Gerät immer erst ausprobieren, bevor es seinen
finalen und vielleicht sogar schwer zugänglichen Arbeitsplatz besetzt). Zur Montage
des Lichtwellenleiters vom Host zum Beamer musste ich die Bespannung hinten
abtrennen. Damit diese später wieder problemlos befestigt werden kann, habe ich
dies von der (ausgezeichneten) Firma machen lassen, welche sich für die
Stoffbespannungen des Kinos verantwortlich zeigt. Die haben dafür nur 10
Minuten gebraucht und ich hatte das gute Gefühl das die Montage dann auch
wieder nur 10 Minuten und keinerlei Material benötigt. Neues Learning: Wo immer
möglich, die Bespannung abnehmbar gestalten; z.B. durch magnetisch gehaltene
Rahmen. Fairland macht das jetzt wohl auch immer bei Kinos so (sofern der Kunde
den Aufpreis zahlt). Gute Idee und den Aufpreis auch sicherlich wert. Hätte ich
damals wissen oder hätte mir jemand sagen sollen. Offensichtlich haben alle an
meinem Kino was dazugelernt. Auch die Profis.
Dann der Moment des Einschaltens. Ich habe immer Sorge, das
Dienstleister sich nicht die gleiche Mühe mit meinem Kino geben, wie ich das
tue. Das Dienstleister nicht nach der Perfektion in der Ausrichtung des Beamers
streben und gerne mal was mit Elektronik kompensieren, was doch besser ein
Schraubenzieher oder -Schlüssel übernehmen sollte. Nicht so Herr Berberich und
die Firma SIM2. Die Ausrichtung war perfekt und selbst als ich schon lange
zufrieden war, hat Herr Berberich noch den letzten Millimeter korrigiert:
"Wir schauen uns das in ein paar Wochen noch mal an, ob sich da was
verzieht." Schöne Idee. Jetzt ist es jedenfalls so präzise an der Leinwand
ausgerichtet, dass man danach eine Wasserwaage eichen könnte.
Konvergenz? Was ist mit der Konvergenz? Keiner will einen
3-Chip-DLP, bei denen die Farben so weit auseinanderliegen wie der Augenabstand
einer in vierter Generation inzestuös gezeugten Bulldogge. Schnell ins
Systemmenü und nach der Konvergenz geschaut. Perfekt! 1-Pixel rot nach rechts
und es ist so scharf wie Megan Fox wenn sie die Klappe hält und einfach nur
tut, wofür man sie bezahlt: gut aussehen. Gott, ich liebe diesen Beamer. Wann
verschwinden die alle und lassen mich in Ruhe meine Filme ansehen?
"So, jetzt nehmen wir die Kalibrierung vor. Mein Laptop
ist zwar etwas langsam - ich sage denen andauernd ich brauche einen neuen -
aber wenn der einmal hochgefahren ist, dann geht´s einigermaßen." sagt
Herr Berberich. Also Laptop auf Karton, Kabel an den Host, hochfahren und
warten. Zwischendurch die Kamera aufbauen (habe vergessen was es für eine war,
aber war nicht der letzte Dreck), Kaffee trinken, über Optiken in Beamern
reden, über Heimkino im allgemeinen und High-End Kunden im besonderen. Ich
gehöre jetzt dazu. Vorher auch schon irgendwie, aber eben nur Tontechnisch.
Jetzt auch Bildtechnisch. Herr Berberich braucht einen neuen Laptop. Da hat
damals mein Amiga schneller von Diskette gebootet (wehe, wenn jetzt jemand
schreibt, ich soll erklären was eine Diskette ist…)
So, Software hochgefahren und - nix. Kein Connect zum Host.
Äh? Wat?
"Das verstehe ich jetzt aber nicht!". Sagt Herr
Berberich. Was soll ich sagen? "Ich auch nicht. Haben Sie das Gerät nicht
vorher mal gecheckt, bevor sie die hunderte von Kilometern damit zu mir
gefahren sind?" fand ich eine gute Antwort. "Doch, aber ich habe
nicht die Kalibrierungssoftware ausprobiert. Die läuft sonst immer." Ich
kann mich nicht mehr an das Datum erinnern, aber ich weiß noch ganz genau: es
war ein Freitag. Also vor einem kinoverplanten Wochenende.
Herr Berberich drückt, klickt, stöpselt am Kabel, wackelt am
Kabel, startet erst den Host, dann den Rechner, dann den Beamer, Host, Rechner
usw. Dann hilft alles nix: er ruft in Italien an. Da scheint auch noch jemand
zu sein. Langes hin und her auf Englisch. Ich bekomme mit, dass die Version des
Board in dem Host nicht zur Kalibrierungssoftware passt. Also per Mail noch
schnell eine neue Host Software bekommen. Lässt sich aber nicht aufspielen.
Herrn Berberich schwant schon was, mir ist es schon klar: Heimkinowochenende am
und im Arsch. Jedenfalls mit einem kalibrierten Beamer.
"Ich fürchte, hier ist nicht die neueste Version des
Boards eingebaut, die wir aber für die Kalibrierung brauchen." Häh? Und
das müssen wir Freitagabends in meinem Kino feststellen (Fehler 2)? Ich denke,
sowohl Herr Henne (gleichermaßen ahnungs- wie hilflos) als auch Herr Berberich
haben die Veränderung meiner Aura gespürt: hin- und hergerissen zwischen
tränenfeuchter Resignation und gewaltbereiter passiver Aggression kommt ein
schluchzend gleiches "Und jetzt?" über meine Lippen.
"Ich stelle ihnen den Beamer erstmal ganz normal ein
und kläre das noch mit Italien. Wenn ich Host austauschen muss, hole ich den
nächste Woche ab und ich garantiere ihnen, sie haben innerhalb einer Woche
einen neuen und ich komme dann vorbei und kalibriere ihn."
Schwergewichtige Worte aber was soll ich sagen, es kam wie es kommen musste.
Aber dazu später.
Erstmal haben wir den Beamer eingestellt. Bis 22 Uhr und
danach wollte Herr Berberich noch zurück in den Schwarzwald. Das nenne ich mal
persönlichen Einsatz. Ob das meine Mitarbeiter auch bringen? Einige schon. Die
Besten. Herr Berberich gehört sicher dazu, zu den Besten. Bei SIM2. Das Bild
war nach erfolgreicher Justage (Details dazu habe ich auch vorher schon
beschrieben) absolut der Hammer. Besser als das Vorserienmodell. Eindeutig. Und
hell. Und scharf. Und einfach nur geil. Aber leider nicht 100% geil, weil ich
wusste, es geht noch mehr. Habe ich in Form von Salz in meiner Wunde auch
mehrfach an dem Abend von dem SIM2 Repräsentanten gehört "Es geht noch
mehr. Obwohl dieses Modell zu den Besten gehört, die ich installieren
durfte." Ach ja? Gibt es Serienstreuung? Will ich gar nicht wissen,
solange meiner top ist und ich ihn nicht abgeben muss.
Ich habe ein tolles Wochenende mit dem Beamer verbracht,
aber nur 4 Filme gesehen, weil es ja letztlich doch noch nicht perfekt war. Und
dann schwingt da immer ein gewisser Makel mit.
In der nächsten Woche kam Herr Berberich tatsächlich und
musste den Host abholen. Und den Beamer. Den an der Decke festgeschraubten und
bis ins kleinste Detail ausgerichteten Beamer. Ich könnte Kotzen. "Ich
werde keinen Beamer akzeptieren, der nicht mindestens diese Qualität des hier
installierten Modells hat. Konvergenz und alles muss 100% Perfekt sein!".
Diesen Satz habe ich mindestens 10 mal aufgesagt, während Herr Berberich
alleine (!) den Beamer von der Decke geschraubt hat. Wer ihn kennt weiß das er
zwar stark, aber nicht besonders groß, nicht wie ein Schrank, sondern eher wie
eine Kommode gebaut ist. Egal. Beamer, Host und Berberich sind weg. Wir sind
mittlerweile in der Mitte des Aprils und am Ende dieses Berichtes angelangt.
Morgen geht es weiter mit der unendlichen Geschichte der
Inbetriebnahme meines SIM2.
Gott, es macht wieder richtig Spaß hier zu schreiben…
Euer Ceo of Hell