Nach drei Stunden mit Andy Moore von Arcam und den bekannten
Größen von Fairland sitze ich nun wieder am Schreibtisch und möchte euch
teilhaben lassen an dem emotionalen auf und ab.
Zuerst, die Engländer haben das gute Benehmen zwar nicht
erfunden, es aber letztlich drauf. Andy ist eine sehr nette und angenehme
Person und hat mir offen und ehrlich meine Fragen beantwortet. Und davon hatte
ich einige.
Gelernt habe ich nun, wie die Entwicklung von HDMI
Schnittstellen funktioniert. Zum Beispiel wusste ich nicht, das zweimal im Jahr
in Atlanta das "Plug Fest" stattfindet, bei dem alle Hersteller ihre
HDMI zertifizierten Geräte mitbringen und in jeweils einem eigenen Raum
aufstellen. An Tag 1 von 2 können dann die Hersteller (nehmen wir mal Arcam als
Beispiel) zu den anderen Herstellern gehen und ihre Geräte anschließen und
testen. Wenn es läuft, wird ein Haken in einer Excel Tabelle gemacht, wenn
nicht, dann auch. So meine Vermutung. Andy sagt aber, der zweite Tag dient
dazu, alle Geräte die nicht auf anhieb miteinander funktionieren würden am
zweiten Tag noch mal gecheckt und der Fehler gesucht werden (also doch kein
Haken).
Allerdings sind nicht immer alle Hersteller mit allen
Geräten anwesend. Außerdem kann es sein, dass diese ihre Software kurz nach dem
Plug Fest noch mal ändern und jeder der sich mit Computersoftware auskennt,
weiß das dann alle vorherigen Tests für den A… waren.
Die Herausforderungen liegt wohl im HDCP Handshake. Gäbe es
die Copy Protection nicht, wäre die Welt eine einfachere aber vermutlich keine
bessere. Die 1,5 Millionen Zeilen Code drücken vielleicht die Komplexität des
Problems aus, sind für mich als Kunde aber nicht mehr als eine interessante
Anekdote. Wie schon in früheren Postings, teilweise von mir, teilweise von
anderen deutlich gemacht, führt die steigende Komplexität der Schnittstellen
sowie die mangelnde Ausgereiftheit des HDMI/HDCP Standards zu den von mir
hinlänglich beschriebenen Problemen. Oder eben auch nicht, denn mein Problem
mit dem ruckelnden Videobild basiert auf einem Fehler im eingesetzten und
natürlich dazu gekauften Videoprozessor und konnte daher auch nicht durch ein
Softwareupdate behoben werden. Nur die Probleme nach meinem, also die mit dem
HDMI 1.4 Board, sind darauf zurückzuführen und da ich dieses neue Board
brauchte (mit einem neuen Prozessor) bin ich quasi kollateral benachteiligt.
Während Andy und ich also englisch palaverten, baut Herr
Henne den Arcam auf, prüft die Settings der Lautsprecherpegel und Distanzen und
wartet letztlich darauf, dass ich meine Aufmerksamkeit wieder dem einzig
wichtigen, nämlich dem eigenen Kino zu Hause, kurz Heimkino widme.
Der Arcam besteht Modular aus 3 Systemen, die natürlich
miteinander müssen. Im Vergleich zu meinem "alten" AV888 ist das
Videoboard neu und besser. Das es schneller ist, sehe ich auf Anhieb an der
Reaktion des Menüs. Das es eine neue Option zum durchschleifen der Videosignale
gibt, sehe ich mit Genugtuung. Der Arcam Vertreter weißt darauf hin, dass sich
dies noch mal positiv auf die Videoqualität auswirkt. Neue Chips, neue
Software, alles im Videobereich. Das war´s. Soll mir auch reichen.
Wir fahren Tests mit Batman I und Casino Royal. Nach fünf
Monaten Abstinenz hauen mich der Sound und das Bild wieder komplett um. Ich
habe fast vergessen wie geil mein Kino ist. Welchen Unterschied 3m Leinwand zu
einem 55" Toshiba machen. Welche Welten zwischen 7.2 Hornsystem in
klangoptimierten und dunkelgehaltenen Raum und einem hallenden Wohnzimmer mit
winzigen Lautsprechern mit einer Einbautiefe von 1,5 cm liegen.
Es ist ein Unterschied wie zwischen Rosinen und Weintrauben.
Geht beides, aber wenn man Durst hat, bringen Weintrauben einfach mehr
Befriedigung. Und mir dürstet nach Kinoerlebnis.
Der Arcam macht was er schon immer gemacht hat: er klingt
einfach sehr gut. Das Gespann Arcam AV888 und die Klipsch THX Ultra 2 in meinem
Raum sind eine richtig gute Kombi, eine Wonne. Auch Mr. Arcam ist sehr
beeindruckt. Und während er mir was von der Arcam Philosophie erzählt, lasse
ich die Leinwand keine Sekunden aus den Augen und suche das altbekannte Ruckeln
alle par Sekunden.
"It´s all about Jitter and the brain". Arcam
investiert sehr viel Energie darin, den Sound authentisch zu halten. Nicht
analytisch, sondern so, wie das Gehirn es aus dem richtigen Leben kennt. Nicht
anstrengend weil es Effekthascherrisch ist, sondern so, wie man es kennt und
erwartet. Whatever.
"Hollywood is easy.". Klar, denn die meisten
wissen nicht, wie sich eine Scud-Rakete oder ein explodierendes Auto im wahren
Leben anhören. Aber ein zerspringendes Glas ("very difficult to
reproduce"), oder ein zuklappender Buchdeckel (wird in ein paar Jahren
auch keiner mehr kennen). Oder Musik.
Und das Bild? Das ist endlich so, wie es immer sein sollte.
Es wird durchgeschleift und ruckelt nicht. Kein bisschen. Ganz ungewohnt und
doch genau richtig.
Arcam benutzt als Test gerne die Joe Bonamassa Blu-Ray mit
der Aufnahme aus der Royal Albert Hall. "We know how a Yamaha 100 Guitar
sounds like." (kann sein, dass ich mich jetzt bei der Produktnummer
vertue). Also Blu-Ray rein und los.
Aber was ist das? Kein Ton? Auch das hin und her schalten
zwischen Dolby Surround und Stereo bringt nichts. Oppo aus und an. Arcam aus
und an. Nichts. Kein Ton. Während Arcam vermutet es liegt am Oppo, vermute ich es
liegt am Arcam.
Star Trek rein. Dolby True HD. Nichts. Kein Ton. Nur Dolby
Digital 5.1. LPMC. Kein Ton. DTS. Kein Ton. Nur Dolby Digital geht. Der Arcam
Repräsentant wird immer nervöser und introvertierter. Ich biete an, den LX91
aus dem Wohnzimmer zu holen. Auf dem Rückweg, auf dem mir wieder bewusst wurde,
wie schwer ein Bolide aus der alten Zeit doch ist, der Hinweis, wir sollten
vielleicht doch mal die Updates des Oppo aufspielen. Ist ja schon 5 Monate
nicht mehr gemacht worden. Mache ich. Erledigt. Nix. Hätten wir das beim
Pioneer machen müssen, hätte es vermutlich 45 Minuten gedauert. Beim Oppo
dauert sowas keine 5 Minuten.
What the f… Noch mal die Settings des Oppo durchgehen. Hmmm.
HDMI1 no Audio? Habe ich das mal so eingestellt? Vielleicht. Ändern wir mal.
Und schwups der Ton ist da und Arcam nicht schuld. Wir sind alle gleichermaßen
überrascht und erfreut. Sorry. Hab ich wohl vergeigt. Bin ich aber froh, nicht
ausgerastet zu sein und die samt AV Boliden rausgeschmissen zu haben. Komisch
ist allerdings, dass der Oppo trotz der No Audio Option irgendwie den normalen
Dolby Digital Sound durchlässt. Strange, aber eben kein Arcam Problem.
Also wieder zurück zu Joe Bonamassa und seiner Yamaha
Gitarre.
Ich weiß nicht, wie die sich in Real Life anhört, aber die
Blu-Ray klingt so großartig(!!!!), selbst mit meinen nicht auf Musik
optimierten Hörnern, dass ich mir direkt eine bestellen will. Blu-Ray, nicht
Gitarre. Muss ich aber nicht, da Andy mir "…because of all the inconvenience and my
incredible patience…" eine schicken will. Thank you.
Überhaupt, Thank you an Fairland und Arcam. Klar, die 5
Monate sind eine Unverschämtheit und die Gründe für die Probleme müssen mich
nicht interessieren. Wer aber schon mal mit dem Service von Pioneer oder
anderen Massenherstellern zu tun hatte, sieht die Bemühungen von Arcam und
Fairland in einem etwas mildernden Licht. Und ein Leihgerät habe ich ja
ausgeschlagen.
Der Sound des AV888 ist beeindruckend und auch jenseits
seines Preises ein echter Benchmark. Das muss Lexicon mit der neuen Vorstufe
(kommt sie denn wirklich) erstmal topen. Und Video schleift der Arcam jetzt
auch durch. Für mein Setup, meinen Raum und meine Wünsche ist das jetzt die
richtige Vorstufe - vorausgesetzt ich finde in den nächsten Tagen nicht doch
noch irgendwelche Bugs.
Ist die Vorstufe, der Klang, die Verarbeitung, der Service
den Preis wert? Ja. Absolut.
Ist es 5 Monate Ausfall des Heimkinos wert? Nein, das würde
ich nicht noch mal machen. Aber man weiß ja in der Regel nicht vorher, wie
lange so was dauert. Letztlich bin ich froh, die Vorstufe wieder zu haben. Und,
das sei hier zum besseren Verständnis des Sounds der Vorstufe erwähnt: ich wäre
auch bereit gewesen, den doppelten Preis für eine Alternative zu zahlen in den
letzten 5 Monaten. Aber es gibt meiner Ansicht nach - und die ist naturgemäß
extrem subjektiv - keine Alternative die so gut klingt und KEINE HDMI Probleme
hat. Aktuell und nur auf den Sound der Arcam AV888 bezogen.
Würde ich noch mal ein Arcam Produkt kaufen? Vielleicht.
Wenn es wie die AV888 das bestklingende Produkt in diesem Bereich und dieser
Preisklasse ist und alles andere zumindest nicht stört (wie das Videoboard).
Arcam ist ein Soundspezialist. Und sie machen mit Video das,
was sie von Anfang an hätten machen sollen: Finger weg und durchschleifen. Dann
sind alle glücklich.
Ich gehe jetzt erstmal einen Film schauen. Das habe ich mir
verdient. Und weil der arme Tom Cruise diese Woche 50 geworden ist und seinen
Geburtstag jetzt und wohl in Zukunft ohne seine Frau Katie feiern muss, schaue
ich mir heute zum ersten mal Mission Impossible 4 an. Und freue mich über die
Rückkehr der audiophilen Schaltzentrale aus Great Britain.
Hoffentlich geht mir das Teil nicht noch mal kaputt…
Euer ceoofhell
P.S.: wie geht es weiter? Meine Learnings möchte ich noch
mit euch teilen. Genau wie die Dinge, die in meinem nächsten Heimkino anders
sein werden. Und dies und das. Zum Beispiel das Beisammen Hearing bei mir im Kino.
Dann könnt ihr euch ein eigenes Urteil bilden, ob man auf den Sound der Arcam 5 Monate warten sollte...
Noch Fragen?