Umbau meines Heimkinos-Lumière 2009
Teil 3
Aufstockung der Surroundlautsprecher von 4 auf 10 Stück
Nun schließt sich der Kreis.
In der letzten Woche habe ich 10 Surroundlautsprecher installiert.
"Du willst deinen Verstärker wohl mit aller Gewalt kaputt bekommen!" sagte meine Freundin, nachdem sie sich das "Werk" betrachtet hat.
"Nein, will ich nicht", antwortete ich.
Um das sehr komplexe Thema etwas zu gliedern, hab ich es mal in verschiedene Kapitel unterteilt.
Die Idee:
Natürlich stellte sich zunächst die Frage nach dem Sinn oder Unsinn einer Installation von 10 Surroundlautsprechern im eigenen Heimkino.
Aus diesem Grund war ich sehr froh darüber, einen Tonmeister und einen Elektronikingenieur unter den "Mittwochjungs" zu haben. Mit Messinstrumenten und einem geschulten Ohr bewaffnet ging es dann an die Arbeit.
Die Idee war, 12 Sitzplätze so gleichmäßig zu beschallen, dass es keine großen Pegelunterschiede mehr geben sollte.
Ziel war es, einen Klang wie im großen Kino zu erhalten. Da auch dort Lautsprecherarrays genutzt werden, um möglichst vielen Zuschauern ein perfektes Hörerlebnis zu verschaffen, bediente ich mich dieser Technik.
Ganz nebei sollte der Surroundsound nach THX Vorgaben für das Homecinema auch noch diffus klingen.
Als Vorbild hab ich mir ein Mischkino genommen, das nach THX-Norm gebaut wurde, aber anschließend aus kostengründen nicht THX lizenziert worden ist.
Die Vorgaben:
Lt. der Empfehlungen von Dolby sollen die Backsurrounds im Heimkino in einem Winkel von 60° zum Hörplatz installiert werden.
THX empfiehlt dagegen für eine 7.1 Installation zu Hause, die zwei Backsurroundlautsprecher unmittelbar nebeneinander aufzuhängen.
Bei der Installation von Sidesurrounds sind sich Dolby und THX übrigens einig und empfehlen, die Lautsprecher in einem Winkel von 90° bis 110° seitlich vom Hörplatz aufzuhängen.
Als Mindesthöhe wird 2 Fuß über Kopfhöhe des sitzenden Zuschauers angegeben. Das sind dann etwa 1,80 bis 2,00 Meter Höhe vom Fußboden aus gerechnet.
Die Frontlautsprecher sollen in einem Winkel von exakt 45° zum Sitzplatz stehen. Ich hab mich aber für die 60° entschieden, die für professionelle Tonstudios gelten. Dies entspricht exakt den Anforderungen, die THX an den "mittigen" Platz im Kino stellt.
Für Subwoofer gibt es lt. THX bei einer 7.1 Aufstellung mehrere Möglichkeiten.
Optimal sind 4 Subwoofer. 1x unter dem Center, 1x unter den Backsurrounds und jeweils einer unter den Sidesurrounds.
In diesem Fall hab ich mich für ein Multi-Bass-Array (MBA) entschieden. 1 Subwoofer unter dem Center und 2 Subs hinten links und rechts im Kinoraum.
Für den Abstand / Leinwandbreite werden 40° oder weniger angegeben.
Für die Leinwandhöhe wird von THX für Homecinemas vom Sitzplatz 15° oder weniger gefordert.
Auch hier hab ich mich an die Kino-Norm von THX gehalten.
Ein Blickwinkel von 36° ist aus der letzten Sitzreihe auf die Cinemascopeleinwand vorgeschrieben. Mit einer Abweichung von rund 2° komme ich dem schon sehr nahe.
Der Aufbau:
Die verwendeten Lautsprecher sind aus einem Canton THX S10-Set. Ein paar zusätzliche Surroundspeaker aus diesem System konnte ich bei Ebay und hier im Forum kaufen.
Aufgrund der widersprüchlichen Empfehlungen für´s Homecinema bezüglich der Backsurrounds, hab ich mich entschlossen, mich nach den Anforderungen für das "große" Kino annähernd zu richten.
Natürlich hab ich keine 6 Surrounds pro Seite und an die Rückwand geschraubt.
"Warum eigentlich nicht...?!" fragte mich meine Freundin, die eifrig beim Aufbau mit half.
"Weil meine Sidesurrounds aus Dipolen bestehen", antwortete ich. Dipole strahlen nach vorn und hinten gleichermaßen ab, um ein diffuses Klangbild zu erzeugen. Aufgrund der wenigen Sitzreihen (im Gegensatz zum großen Kino) bekommt im
Lumière jede Reihe einen eigenen Dipol als Sidesurroundlautsprecher. Diese wurden wie alle anderen Lautsprecher auch (abgesehen vom Center) in 2 Meter Höhe installiert.
Als Backsurrounds verwendete ich nach THX-Empfehlung Direktstrahler.
Ein erster Versuch, diese so weit wie möglich auseinander zu hängen, klang in der Praxis furchbar. Daher wurde an die Rückwand über/hinter jeden der 4 Sitze ein Lautsprecher gehängt.
Dafür war es allerdings erforderlich, die zwei Fenster an der Rückseite des Heimkinos mit Holzplatten zu verkleiden, an welche die Lautsprecher dann gehängt werden konnten.
Dank des handwerklichen Geschicks des Klavierbauers (siehe Foto) ist es nach der Installation immer noch möglich, die Fenster zu öffnen und mit wenigen Minuten Zeitaufwand, die Installation wieder zu entfernen, falls die Fenster mal geputzt werden sollten.
Die Frontlautsprecher wurden auf einer TV-Wandhalterung befestigt und direkt an die Seitenwände montiert (Foto). Der Abstand betrug zum Referenzplatz jeweils exakt 3,00 Meter (je 30°).
Da sich die Fronts in 2,00 Meter Höhe befinden, wurde sie um wenige Grad geneigt, damit sie auf die Hörplätze hinabstrahlen.
Der Center wurde mittig auf die Leinwandbühne gelegt (aufgebockt) und leicht nach oben angewinkelt, damit er direkt auf "Kopfhöhe" der einzelnen Hörplätze abstrahlt.
Die Oberkante des Centers befindet sich in 1,10 Meter Höhe, nur wenige Zentimeter unterhalb der Leinwandunterkante.
Aufgrund der Anwinkelung ist die Oberseite nicht zu sehen. Somit stören keine Reflexionen auf dem schwarzen Gehäuse.
So lange sich das projizierte Bild innerhalb der Maskierung der Leinwand befindet, fallen keine störenden Reflexionen auf die Leinwand zurück. Diese werden vom schwarzen Kasch unterhalb der Bildfläche geschluckt.
(Anmerkung: Inzwischen hab ich den Center über der Leinwand angebracht. Er befindet sich nun auch exakt in 3,00 Meter Entfernung zum Referenzsitzplatz.)
Da ich ein relativ großes Bild mag und im Kino eher mittig bis etwas weiter vorne sitze, hab ich diese Sehgewohnheit leicht abweichend von der THX-Norm auch in meinem Lumière so installiert. Das ist eben der Vorteil eines Privatkinos.
Die Leinwand ist im Cinemascopeformat 3,00 Meter breit.
Vom Referenzplatz (Reihe 2 - Abstand 3,40 m) beträgt der horizontale Blickwinkel auf das 16:9 Bild 30° / auf das 21:9 Bild 45° / und der vertikale Blickwinkel auf das projizierte Bild mit fixer Bildhöhe von 1,24 m rund 20°.
Kalibriert auf den D65 Punkt der Videonorm (Bildmodus NORMAL) projiziert der Panasonic PT-AE2000E nach rund 1500 Lampenstunden immer noch auf:
3,00 Meter Bildbreite => 12 fL
2,25 Meter Bildbreite => 20 fL
Die Einmessung:
Dass der Kinoraum keine parallelen Wände hat, erwies sich bei der Einrichtung und Aufstellung der Kinositze nach optischen Gesichtspunkten als eher unvorteilhaft, aber bei der Einmessung und dem anschließenden Klang als großer Vorteil.
Doch der Reihe nach.
Nach einer relativ entspannten Einmessung (rosa Rauschen) der einzelnen Lautsprecher-Kanäle durchliefen anschließend diverse Sinustöne die Anlage.
Die Einmessung und das Probehören mit entsprechenden Testmaterial von einer THX DVD dauerte weniger als 30 Minuten.
Die Einmessung der 3 Subwoofer erforderte hingegen sehr viel mehr Geduld und Zeit. Nach etwa 2 Stunden hin- und herschieberei der schweren Subs sowie Pegel- und Phasenanpassung war ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden.
Als Sinustöne verwendete ich:
20/30/35/40/60/80/100/125/250/500/1000/5000/10000/20000 Herz
Die Messung erfolgte mit Hilfe eines Sound Level Meter in db(C).
Abschließend ließ der Tonmeister per Notebook einen Sweep von 20 bis 20000 Herz durchlaufen, um die letzten Raummoden aufzuspüren. So wurden vor den zwei Fenster je ein Absorber installiert, die das Mitschwingen verhinderten, was mir ein ums andere mal in der Vergangenheit störend aufgefallen ist.
Ob ein automatisches Einmesssystem wie Audyssey ein noch besseres Ergebnis zustande gebracht hätte, wage ich zu bezweifeln.
Da der Verstärker als auch die Lautsprecher, dank der THX Lizenz, einen sehr geradlinigen Frequenzverlauf haben, wäre es fatal, die Frequenzen des Ausgangsmaterials (DVD und Blu-ray) so zu verändern, dass es passen könnte, wenn mit nur wenigen Veränderungen innerhalb des Raumes und der Aufstellung der Speaker und Subs ein nahezu perfektes Ergebnis erzielt werden kann.
Wiedergabefrequenzen und Konfiguration der Speaker und Subwoofer:
20 - 125 Herz => KCS Subwoofer
35 - 125 Herz => Canton Subwoofer
60 - 20000 Herz => Fronts und Center
80 - 20000 Herz => Surround Dipole
80 - 20000 Herz => Surround Direktstrahler
Front und Center sind auf LARGE eingestellt.
Surrounds sind auf LARGE eingestellt.
Crossover 80 Herz
Sub + Front
Surrounds:
Jeweils zwei der drei Sidesurrounds hab ich auf Reihe verkabelt + einen Sidesurround parallel. Dadurch ergibt sich eine Impedanz von 2,7 Ohm. Dies sollte der Verstärker, der bis 4 Ohm ausgelegt ist eigentlich schaffen, weil die Crossoverbrequenz bei 80 Hz liegt. Als Alternative hätte ich alle 3 Speaker auf Reihe schalten können und eine Impedanz von 12 Ohm erhalten. Davon ist mir aber abgeraten worden, weil dies möglicherweise zu Verzerrungen führen könnte, weil der "Lautstärkeregler" evtl. zu weit aufgedreht werden müsste, um den THX Referenzlevel zu erreichen.
Ich glaubte das einfach mal, mangels Erfahrungswerte.
Eine später von mir durchgeführte Messung ergab, dass die Sidesurrounds neben der 1. Sitzreihe 3 dB lauter sind als die anderen Surrounds (Reihe 2 + 3). Dies ist gewollt, da auch die Fronts dort (aufgrund des geringen Abstandes) lauter sind.
Die Backsurrounds hab ich gesplittet. 2 Links und 2 rechts. Diese sind jeweils auf Reihe geschaltet und erzielen somit eine Impedanz von 8 Ohm.
Messergebnisse:
Alle Speaker inkl. der Subs wurden auf 75 dB(c) eingepegelt.
Reihe 2 - Referenzplatz:
20 - 80 Herz (Subwoofer) 75 dB (+/- 1,5 dB)
60 - 20000 Herz (Front + Center) 75 dB (+/- 0,5 dB)
80 - 20000 Herz (Surrounds) 75 dB (+/- 0,5 dB)
Reihe 2 übrigen Plätze:
Subwoofer 75 dB (+/- 1,5 dB)
F+C 75 dB (+/- 1 dB)
SR 75 dB (+/- 1 dB)
Reihe 3:
Sub 78 dB (+/- 1,5 dB)
F+C 75 dB (+/- 1 dB)
SR 75 dB (+/- 1 dB)
Reihe 1:
Sub 76 dB (+/- 1,5 dB)
F+C 77 dB (+/- 1,5 dB)
SR 78 dB (+/- 1,5 dB)
Konfiguration der Surrounds:
Die Konfiguration am Denon-Verstärker ist auf NON MATRIX geschaltet.
Dadurch werden die Backsurrounds gesplittet und geben dasselbe Signal wieder, welches auch die entsprechenden Sidesurrounds abstrahlen.
Sollte ein Dolby EX oder DTS ES oder DTS Discrete Signal zugespielt werden, wird dieses automatisch nur von den Backs wiedergegeben.
Somit erübrigt sich die ständige Hin- und Herschalterei zwischen 5.1 (inkl. gesplitteter Backs) und 7.1 (Matrix oder Discrete), wie es die Filmvorführer meines Wissens im großen Kino manuell umstellen müssen.
Der Klang:
Musik soll sich in dieser Konfiguration ja nicht so gut anhören.
Daher startete der Test mit der DVD
LIVE IN CHINA
Das Orchester am Anfang klang erstaunlich räumlich. Der Jubel des Publikums hüllte mich völlig ein. Einzelne "Pfiffe" kamen klar ortbar aus verschiedenen Richtungen.
Als Jarré dann startete, lösten sich die Instrumente von den Lautsprechern. Die Glockenklänge rasten um meinen Kopf herum. Da gab es keinen Bruch, kein akustisches Loch. Die Anschläge der Synthesizer waren auch in den Surrounds deutlich und klar zu hören. Besser hatte ich diese DVD nur bei unserem blacklight gehört, der 7 große Standlautsprecher auf Large betreibt.
Jungle Sounds auf der THX Demo und Installations DVD wurde gestartet.
Das Zirpen der Grillen, der räumliche Dschungelsound war nicht mehr direkt ortbar und kam völlig losgelöst von den Lautsprechern aus dem gesamten Raum. Dennoch war eine "Richtungsortung" möglich.
Nun lief ein "Tier" um die Zuschauer herum. Der Übergang zwischen Front und Sidesurrounds war absolut übergangslos. Da war kein Bruch, kein Höhenunterschied und keine "Klangverfärbung" zu hören, aufgrund identischer Chassis und gleich hoch installierter Lautsprecher. Das "Tier" lief wirklich von vorne links nach hinten links und von hinten links nach hinten rechts und von hinten rechts nach vorne rechts. Da war keine Lücke zu hören.
Die anschließend herumsurrende Fliege veranlasste mich dazu, mich sogar mehrfach umzusehen, so realistisch flog das kleine "Biest" durch mein Kino.
Der Hubschrauber stand lautstark nur wenige Augenblicke später an der gesamten linken Wandlänge in der Luft. Selbst als ich den Kopf drehte, schien der Helikopter die gesamte Wand für sich zu beanspruchen. Da trat kein einziger Lautsprecher hervor.
Die anschließend abgefeuerte Rakete raste von FR um uns herum und der Helikopter explodierte eindrucksvoll. WAHNSINN!
Star Wars Episode 1 - Podrace:
Egal wo ich saß, zu keinem Zeitpunkt war ein einziger Surroundlautsprecher ortbar. Der Ton schien immer direkt von der ganzen Wand zu kommen. So stellte ich mir immer ein "diffuses" Klangbild vor!
Die Podracer rasten mit enormen Druck von hinten rechts nach hinten links. Sie flogen quer durch den Raum von vorn nach hinten.
Star Wars Episode 3
Kapitel 3:
Weltraumschlacht. Als auf Obi-Wans Gleiter die kleinen Bassdroiden den "Kopf" des Droiden absägten und der mit einem lauten "biiiiieeep" durch den Weltraum flog, flog der "Kopf" direkt neben meinem Sitzplatz vorbei und hinten aus dem geschlossenen Fenster hinaus.
Kapitel: 5
Annakin und Obi-Wan betreten den Raum, in dem der Kanzler gefangen gehalten wird. Rechts neben mir schließt sich die Fahrstuhltür und die beiden Jedi-Ritter gehen quer durch mein Kino direkt in die Bildmitte.
Kapitel 17:
Auf dem Wookie-Planeten läuft ein Stormtrooper vom Center rechts an mir vorbei nach hinten aus dem Kino hinaus und spricht dabei!
Ein weiterer Gleiter startet und fliegt von vorne links nach hinten links.
Batman - The Dark Knight
Gleich am Anfang des Filmes und während der Tunnelszene schiebt der Bass unglaubliche Druckwellen in den Raum. Die Explosionen im Tunnel führen zu kleinen Schlägen in der Magengrube. Die Hosenbeine flattern und die Podeste werden mitsamt der Sitze leicht durchgeschüttelt. Da bedarf es keines Shakers mehr. Das war derart fühlbar, dass es mir ein debiles Dauergrinsen ins Gesicht drückte.
Indiana Jones 4
Während des THX Logos in Referenzlautstärke schlug der Sound Level Meter bis zu 115 dB(c) aus. Als Matt mit seinem Motorrad über den Bahnsteig fuhr, hörte es sich an als wenn er direkt vor mir durch mein Heimkino fuhr. Die Übergänge zwischen den einzelnen Kanälen waren nicht zu hören.
Das alles bei allerhöchsten Pegeln jenseites der Zimmerlautstärke und völlig verzerrungsfrei. Wahnsinn!
Fazit:
Surroundeffekte sind deutlich neben, schräg hinter und direkt hinter dem Sitzplatz ortbar. Das ist der absolute Wahnsinn - das ist ganz großes Kino!
Niemals hätte ich es vorher für möglich gehalten, dass ein linearer Frequenzverlauf derart viel Spaß bereiten kann.
Es ist nur schwer zu beschreiben. Aber so ähnlich hab ich es vom Referenzplatz im Mischkino in Erinnerung!