Werbung Alphaluxx

S3D - Stereoskopie: Grundlagen zur Tiefenwirkung, Problematiken.

    • S3D - Stereoskopie: Grundlagen zur Tiefenwirkung, Problematiken.

      Vorgeplänkel

      Momentan wird technophil über Stereoskopie im Heimkino diskutiert. Es geht um Kanaltrennung, Farbwiedergabe, ausreichend Helligkeit, Bewegungsdarstellung und verschiedene technische Realisierungsmöglichkeiten. Aus diesem Anlass möchte ich einige viel grundlegendere Zusammenhänge zu Stereoskopie erklären - zu denen ich hier bisher nur selten was lesen konnte.


      Dreidimensionale Wahrnehmung

      Wir wissen, dass unsere dreidimensionale Wahrnehmung dadurch möglich ist, das unsere beiden Augen Bilder aus unterschiedlichen Blickwinkeln sehen. Unser Gehirn baut diese Teilbilder zu einem dreidimensionalen Eindruck zusammen.

      Zusätzlich hat unsere Wahrnehmung noch einige Tricks auf Lager, so dass bei auch einäugigen Menschen oder erstklassigen Projektionen ein gewisser Tiefeneindruck entsteht. Zum Beispiel ermittelt das Gehirn aus der Perspektive und Größenverhältnissen die Entfernung. Der Kontrast naher Objekte ist besser als von Objekten in der Ferne, der Rot-Anteil nimmt mit zunehmender Entfernung ab usw. - aus das werten wir unbewusst aus.


      Stereoskopie vs. "echtes 3D"


      Bei Stereoskopie werden "nur" zwei Bilder aus unterschiedlichen Blickwinkeln aufgenommen. Analog zum linken und zum rechten Auge. Verschiedene Verfahren sorgen bei der Wiedergabe dafür, dass jedes Auge das richtige, linke bzw. rechte Bild zugespielt bekommt.

      Die aufgezeichnete Information bei Stereoskopie sind also zwei normale, zweidimensionale Aufnahmen. Eine echte, dreidimensionale Information wird nicht aufgezeichnet oder wiedergegeben. Im Gegensatz zu echtem 3D kann man Objekte dadurch nicht von der Seite, von oben, unten oder hinten betrachten.

      Es entsteht kein Objekt im Raum, der räumliche Eindruck entsteht erst in unserem Gehirn. Das gilt auch für auto-stereoskopische Verfahren, also Verfahren, für die keine Brille als Decoder nötig ist.

      Anders ist das ist zum Beispiel bei Holographie, Laser-Projektion auf rotierende Flächen oder im Druckbereich bei 3D-Druckern. In diesen Fällen entstehen Objekte im Raum, die man auch von der Seite betrachten kann.

      Zur Abgrenzung von "echtem 3D" bevorzuge ich daher für
      Stereoskopie die Abkürzung "S3D" = "Stereospokisches 3D".


      Scheinentfernung, Tiefenwirkung: In welcher Entfernung erscheinen und stereoskopisch projizierte Objekte?

      Maßgeblich für die scheinbare Entfernung eines Objektes ist der horizontale Versatz des linken und rechten Teilbildes. Das Objekt erscheint an der Stelle, an der sich die Sehachsen des linken und rechten Auges schneiden. Dabei können Objekte vor der Leinwandebene, in der Leinwandebene, hinter der Leinwandebene und am Horizont "im Unendlichen" erscheinen.

      • Linkes Teilbild ist zum rechten Teilbild auf der LW nach rechts verschoben
        --> Das Objekt erscheint vor der Leinwand.
      • Linkes Teilbild und rechtes Teilbild sind auf der LW nicht horizontal verschoben
        --> Das Objekt erscheint in der Leinwandebene
      • Linkes Teilbild ist zum rechten Teilbild auf der LW nach links verschoben
        --> Das Objekt erscheint hinter der Leinwand.
      • Sonderfall: Linkes Teilbild ist zum rechten Teilbild auf der LW um unseren Augenabstand nach links verschoben
        --> Das Objekt erscheint am Horizont
      • Zu Vermeiden: Linkes Teilbild ist zum rechten Teilbild auf der LW um mehr als unseren Augenabstand nach links verschoben
        --> Die Augen werden zum Schielen gezwungen. Kein Genuss, kein Raumbild.

      Ich will euch und mich selber nun nicht mit Formeln quälen. Diese sind zwar einfach - einige Beispiele sind aber sicher noch verständlicher:



      Was passiert bei einer Änderung der Leinwandbreite?

      Proportional zur Leinwandbreite verändert sich auch der horizontale Versatz des linken und rechten Teilbildes.
      • Bei einer kleineren Leinwand wird der horizontale Versatz geringer, der Tiefeneindruck reduziert sich dadurch.
      • Bei einer größeren Leinwand erhöht sich der horizontale Versatz, der Tiefeneindruck ebenfalls.

        Problem dabei: Das kann zu divergenten Sehachsen führen, die Augen müssten "nach außen schielen". Eine solche Wiedergabe ist ganz schlecht. Es kommt zum binokularem Wettstreit. Weil der Seheindruck unnatürlich ist, streiten sich linkes und rechtes Teilbild um die Gunst des Gehirns. Man sieht mal die eine, mal die andere Variante. Das Raumbild zerfällt.
      Seht selbst:



      Was passiert bei einer Änderung der Betrachtungsentfernung?


      Die Tiefenwahrnehmung hat einen Bezug zur Betrachtungsentfernung (Sitzentfernung von der Leinwand). Reduziert man die Entfernung, dann reduziert sich auch die wahrgenommene Bildtiefe.

      Problem dabei: Je näher wir dran sitzen, umso größer erscheint uns die Länge und Breite eines Objektes. Gleichzeitig nimmt aber die Tiefe des Objektes ab. Das heißt, das Raumbild erscheint in der Tiefe gestaucht (oder gestreckt, wenn man die Betrachtungsentfernung erhöht).

      Ergebnis: Objekte erscheinen unnatürlich groß oder klein (Gigantismus, Liliputismus) oder verlieren die Räumlichkeit (sehen aus wie Pappkameraden oder Kulissen).

      Hier eine Veranschaulichung:



      Warum verzieht sich die Perspektive, wenn man sich seitlich bewegt?

      Durch seitliche Bewegung bewegt sich auch der Schnittpunkt der beiden Sehachsen. Wir erinnern uns: Das Objekt erscheint an der Stelle, an der sich die Sehachsen des linken und rechten Auges treffen. Das Objekt wandert entgegengesetzt zur eigenen Bewegungsrichtung - und rückt näher ran.

      Auch dazu ein Bildchen:



      Randprobleme: Die Schärfe

      • Unsere Augen sind immer auf Leinwand scharf gestellt - unabhängig vom Konvergenzwinkel der Sehachsen.

        In der Natur fokussieren wir mal auf die Nähe, mal auf die Ferne. Die Fokus-Entfernung hat immer einen Bezug zum Konvergenzwinkel der Sehachsen. Sehachsen parallel = Fokus unendlich / Sehachsen schielen zusammen = Fokus auf Nahaufnahme. Die Kopplung Konvergenzwinkel/Fokus-Entfernung ist bei Stereoskopie ausgehebelt. Wir fokussieren immer auf die Leinwand - auch wenn unser Blick von der Nähe in die Ferne schweift und sich der Konvergenzwinkel dadurch ändert.

      • Schärfebereich der Aufnahme ist maßgeblich - und unabhängig davon, wohin wir unseren Blick lenken.

        In der Natur ist genau der Bereich scharf, auf den wir fokussieren. Bei einem Stereobild erscheint genau der Bereich scharf, der bei der Aufnahme scharf abgebildet wurde. Bei einer Aufnahme die von vorne bis hinten knackescharf ist, nehmen wir das auch so wahr. Auch wenn unser Blick schweift. Hat die Aufnahme dagegen z.B. einen scharfen Vordergrund und einen verschwommenen Hintergrund, kann unser Blick in die Ferne schweifen wie er will - der Horizont wird nicht scharf.


      Was bedeutet das in der Praxis?


      Aus der bevorzugten Leinwandbreite und dem bevorzugten Betrachtungsabstand kann man bei der Aufnahme die nötige Basisbreite (horizontaler Versatz der beiden Kameras) ermitteln. Dadurch entsteht in der Projektion ein optimales Raumbild.

      Das bedeutet aber auch: Eine Aufnahme mit einer bestimmten Basisbreite liefert nur bei einer definierten Leinwandbreite UND einem definierten Betrachtungsabstand optimale Ergebnisse. Alles andere ist ein Kompromiss.

      Das Gemeine dabei: Es ist nicht nur das Verhältnis Leinwandbreite/Betrachtungsabstand relevant. Auch die absoluten Werte sind wichtig. Schuld daran ist der Abstand unserer Augen - der ist eine Konstante (mehr oder weniger...). Für ein Objekt am Horizont muss der horizontale Versatz immer dem Augenabstand entsprechen, egal wie groß die Leinwand ist. Zumindest, wenn man eine ideale räumliche Wiedergabe anstrebt.

      Filme, die für die gesamte Wiedergabepalette von PC-Monitoren, große Flatscreens über Heimkinoleinwände bis zu ausgewachsenen Kinoleinwänden gleich guten Raumeindruck liefern, sind mit normaler Stereoskopie nicht machbar.



      Warum funktioniert es trotzdem einigermaßen?

      Hier scheiden sich Theorie und Praxis, denn unser Gehirn baut sich auch bei suboptimaler Wiedergabe ein einigermaßen brauchbares Raumbild zusammen - auch wenn dieses weit vom Optimum und einem natürlichen Eindruck entfernt ist. Es ist eine Mischung von erstaunlichen Fähigkeiten, aber auch von Unzulänglichkeiten unserer räumlichen Wahrnehmung, dass Stereoskopie unter falschen Wiedergabebedingungen überhaupt genießbar ist.

      Einfaches Beispiel & Experiment: Aus der Konvergenzstellung der Augen schließt das Gehirn auf die Entfernung und dadurch auf die wahre Größe von Objekten - auch wenn der Abbildungswinkel auf der Netzhaut etwas anderes sagt.

      Halte eine Hand ausgestreckt und schau auf deinen Daumen, Abstand ca. 60cm. Nun führe den Daumen zu den Augen, reduziere den Abstand auf 20cm. Erscheint dir der Daumen nun tatsächlich dreimal so groß - oder nur ein wenig größer? Wenn du bei dem Experiment ein Auge zuhältst, wirst du beim Heranführen des Daumes einen größeren Zuwachs bemerken als zwei-äugig.

      Dieses Verkleinern wirkt der Stauchung bei Reduzierung des Betrachtungsabstandes (wie ich sie unter "Was passiert bei einer Änderung der Betrachtungsentfernung?" beschrieben habe) entgegen: Durch den geringeren Abstand konverigeren die Sehachsen stärker, das führt wieder zu einer verkleinerten Wahrnehmung der Größe (Höhe, Breite) des Objektes in Relation zur Tiefe. Die Nebeneffekte (Gigantismus, Liliputismus, Pappkameraden) bleiben.

      Weiterer Aspekt: Das Raumbild muss nicht unbedingt "unendlich tief" sein.

      • Beispiel dazu: Augenabstand = 60mm. Ein Punkt am Horizont ist auf der 3m HK-Leinwand 60mm horizontal versetzt. Er erscheint wegen der parallelen Sehachsen auch dort, wo er in der Natur ist, am Horizont.

      • Gibt man das selbe Material auf einem 100cm breiten Flatscreen wieder, ist der Versatz nur mehr 20mm. Bei einer angenommenen Entfernung vom Flat von 2m schneiden sich die Sehachsen nun 1m hinter der Bildschirmebene. Aus einer ursprünglich "unendlichen" Tiefe ist nun 1m geworden. Der TV wirkt nun wie ein "Kasten" mit 1m Tiefe - alle Punkte am Horizont werden 1m hinter der Bildschirmebene wahrgenommen.

      • Beinbruch ist das keiner, denn es erwartet auch niemand, dass er beim Blick in den Fernseher kilometerweit in die Ferne blicken kann (das Wort "Fernseher" bekäme eine ganz neue Bedeutung). Irgendwie sieht die begrenzte Raumtiefe dieses Kastens aber dann doch aus wie die Bühne eines Laientheaters oder eine Puppenküche. Und leider bewirkt die Stauchung, dass auch die Tiefenausdehnung von Objekten im Vordergrund, z.B. Personen, gegen Null geht.

      Zu Gute kommt auch, dass wir zwar gut Größen (Länge, Breite) schätzen können, aber schlecht sind im Schätzen von Entfernungen.

      Aus bei der Einschätzung von Perspektiven sind wir -hier glücklicherweise- sehr schwach. Beispiel: Ohne Referenz, verräterische Details, Kenntnis des Originals oder viel Seherfahrung fällt es uns schwer zu unterscheiden, ob ein Foto mit Weitwinkel oder Tele entstanden ist - und das obwohl die Größenverhältnisse von Vorder- und Hintergrund völlig andere sind.

      Da passiert also noch mehr als nur die Frage, wo sich Sehachsen schneiden. Was alles? Keine Ahnung, ich bin nicht Moses ;)


      Was könnte man tun, um von den Wiedergabebedingungen unabhängig zu werden?

      Meines Erachtens ist es nötig zu jedem Punkt des linken Bildes mit einer schlauen Software den entsprechenden Punkt des rechten Bildes zu finden (und auch die Punkte identifizieren, die wegen der unterschiedlichen Perspektiven nur in einem der Bilder vorkommen).

      Aus den beiden Bildern und dem Versatz einander entsprechender Punkte wird dann ein echtes, dreidimensionales Modell gerechnet. Aus diesem Modell wird dann wiederum ein linkes und rechtes Teilbild errechnet - nun aber angepasst an die genauen Wiedergabebedingungen (Leinwandbreite, Abstand).

      Keine Ahnung ob ich da phantasiere, ob die Bildinformation der beiden zweidimensionalen Bilder für so eine Rechnerei ausreichend ist (was ist mit verdeckten Bildinhalten, wenn sich z.B. das Verhältnis Leinwandbreite/Abstand ändert?) - und ob das alles in Echtzeit machbar ist :verlegen:

      Anwendungen wie CAD und Spiele haben es da leichter: Die Informationen liegen bereits dreidimensional vor. Welche Stereo-Basisbreite während der Laufzeit für das Erstellen der beiden 2D-Teilbilder verwendet wird ändert nichts am Verfahren und der nötigen Rechenleistung.

      Andere Variante: Es werden nicht nur zwei Bildkanäle aufgenommen, sondern viele - mit unterschiedlichen Stereo-Basisbreiten. Bei der Wiedergabe wird die Basisbreite gewählt, die am Besten zu den Wiedergabebedingungen passt. Das wäre enorm aufwändig, würde dafür aber mehrkanaligen Lentikular-Displays entgegen kommen.


      Alles fauler Zauber? Meine ganz persönliche Meinung

      Nein, nicht alles. Nur das, was man uns heute für dem Filmgenuss zuhause als "3D" verkaufen will.

      S3D hat seine Berechtigung bei CAD, Simulatoren, Gaming - und als technische Spielerei. Auch für Filme bestimmter Genres im großen Kino, für das diese 3D Filme gemacht werden, finde ich S3D akzeptabel. Das funktioniert alles prima, wenn die (ungefähre) Wiedergabesituation bei der Aufnahme (bzw. beim Errechnen) des Bildes berücksichtigt wurde.

      Diese Filme auf Leinwände oder Bildschirme zu bringen, die nur einen Bruchteil der Breite einer Kinoleinwand (für die sie bestimmt sind) haben halte ich für reine Spielerei - und Marketing. Auch die Volksverdummung Stereoskopie als 3D zu bezeichnen ist eine Marketingstory. Stereoskopie erinnert dann doch zu sehr an den View-Master längst vergangener Zeiten. 3D klingt viel moderner.

      Das heißt nicht, dass ich keinen Reiz an S3D finde. Ganz im Gegenteil. Als Spielerei jederzeit. Aus dem Grund beschäftigt mich das Thema auch schon seit Jahrzehnten immer wieder mal. Auf Dauer ist mir eine perfekte zweidimensionale Projektion mit ihrer räumlichen Wirkung jedoch lieber als die Stereoskopie-Krücke.


      Meine Prognose:


      Grundlagen wie ich sie beschrieben habe werden weiter verschwiegen oder ignoriert. Verbesserungen des grundlegenden Verfahrens werden nicht untersucht. Geiler Effekt, Verkauf und Hype gehen vor. Ein neues Hoch wird es geben, wenn autostereoskopische Techniken in guter Qualität bezahlbar sind.

      Und vielleicht kommt eines Tages doch "echtes 3D".

      Dieser Beitrag wurde bereits 19 mal editiert, zuletzt von Elmar () aus folgendem Grund: 1. Schreibfehler / 2. Einige Texte verständlicher formuliert / 3. Ergänzungen / 4. Formatierung

    • Elmar,

      sehr interessanter Beitrag. Lange nichts so gutes gelesen.

      BTW #1: Ich war am Wochende doch enttaeuscht von den 3D-Schinken, die es auf Arte-HD gab. Hab dann allerdings auf YOutube mal nach "colorcode 3d" und "Servus TV" gesucht. Da gibts eine ganze Menge guter 3D-Trailer (bis zu 1080p) zum Experiementieren. Klappte bei mir sehr ordentlich.

      BTW #2: Da waren doch mal eine Zeit lang diese Poster mit bunt gesprenkelten Punkten in Mode, bei denen man einen 3D-Effekt sah, wenn man sie bewusst defokussiert betrachtete, "oder auch durch sie hindurch sah. Haengt das irgendwie mit Deinen Beschreibungen zusammen? Z.B., dass das Hirn es koennen muss (meins kann es naemlich nicht ;-).

      Gruesse,

      Juergen
      Theorie ist, wenn einer alles weiss, aber nichts funktioniert. Praxis ist, wenn alles funktioniert, und keiner weiss warum.
    • Juergen S schrieb:

      Lange nichts so gutes gelesen.
      Danke. :scham:


      Juergen S schrieb:

      BTW #1: Ich war am Wochende doch enttaeuscht von den 3D-Schinken
      Ja, da waren auch andere enttäuscht. Das war eine Katastrophe, was die da geliefert haben: 3D schon am Ende?


      Juergen S schrieb:

      BTW #2: Da waren doch mal eine Zeit lang diese Poster mit bunt gesprenkelten Punkten in Mode, bei denen man einen 3D-Effekt sah, wenn man sie bewusst defokussiert betrachtete,

      Du meinst "Das magische Auge".

      Die Funktionsweise habe ich nie verstanden. Gelesen habe ich, dass das zufällige Muster sind, die mit der Bildinformation "moduliert" wurden. Konkret kann ich mir da nichts drunter vorstellen. Würde mich aber auch interessieren.

      "Das magische Auge" klappte bei mir nur selten und seit meiner Lasik gar nicht mehr. Ob da ein Zusammenhang ist weiß ich nicht.

      Es gibt auch noch gedruckte stereoskopische Bilder (oder Bilder am Monitor), die man ohne Brille im sogenannten Kreuzblick oder Parallelblick betrachtet - auch das geht bei mir höchst selten. Parallelblick manchmal, Kreuzblick ging noch nie.

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Elmar () aus folgendem Grund: Mist, was ist denn mit dem WYSIWIG-Editor los. Immer wieder zerreißt es mir die Zitate und Links. Ich krieg noch einen Vogel.

    • Elmar schrieb:

      Aus der bevorzugten Leinwandbreite und dem bevorzugten Betrachtungsabstand kann man bei der Aufnahme die nötige Basisbreite (horizontaler Versatz der beiden Kameras) ermitteln. Dadurch entsteht in der Projektion ein optimales Raumbild

      Elmar schrieb:

      Das bedeutet aber auch: Eine Aufnahme mit einer bestimmten Basisbreite liefert nur bei einer definierten Leinwandbreite UND einem definierten Betrachtungsabstand optimale Ergebnisse. Alles andere ist ein Kompromiss.

      Elmar schrieb:

      Das Gemeine dabei: Es ist nicht nur das Verhältnis Leinwandbreite/Betrachtungsabstand relevant. Auch die absoluten Werte sind wichtig. Schuld daran ist der Abstand unserer Augen - der ist eine Konstante (mehr oder weniger...). Für ein Objekt am Horizont muss der horizontale Versatz immer dem Augenabstand entsprechen, egal wie groß die Leinwand ist. Zumindest, wenn man eine ideale räumliche Wiedergabe anstrebt.
      Nabend,

      danke für die Grundlagendarstellung.
      Sehr informativ und sicherlich sollte so etwas auch Grundvorrausetzung sein, um sich mit einem möglichen "3D Abklatsch" zu beschäftigen.

      Nur sehe ich das Prozedere für Leute, die einen Film mit mögl. realistischer S3D Umsetzung auf einer Filmkonserve versuchen zu bannen, nicht ganz so dramatisch.
      So sollte die versierte Filmfirma, um u.a. natürliche Abstände zu erreichen, bei der Aufnahme die Brennweite so wählen, daß der Bildwinkel des Objektivs genau so groß ist,wie der Blickwinkel beim Betrachten des Bildes.
      Diese Überlegungen gelten dann auch für alle Verfahren, bei denen die beiden Bilder übereinanderprojeziert werden, also für Anaglyphenbilder, Polarisationsverfahren, Shutterbrillen, "Wackelbilder" usw.

      Im Gegensatz werden bei den reinen Stereobildern die Bilder nicht übereinanderprojeziert, sondern gleich getrennt den Augen dargeboten, hier gelten teilweise ähnliche Regeln, ansonsten muß die Optik möglichst genau die Bilder den Augen anbieten, die man bei direkter Betrachtung der Szene auch sehen würde.

      Und wenn dann in etwa das "geschätzte" LW Breite und Abstand Verhältnis eingehalten wird, dann ist so ein Film gleichermaßen im Kino oder auch zu Hause mit quasi ähnlicher Tiefenwirkung über die Raumlichtprojektion zu erreichen.
      Das dann generell ein NICHT exakter GRößenvergleich eingehalten wird im Verhältnis zur Wirklichkeit ist doch dann ohnehin auch für 2D der Fall.
      Oder gibt es 20 m breite Pferde oder 4,5 m Toaster etc.
      Ein exakter Blick in eine reale Welt ist dann sicherlich nicht das Ziel einer guten S3D Produktion auf einer großen Leinwand.
      Hier will ich zum Teil übergroß ins Geschehen rein, um es dann besser zu erleben, das nützt jeder 2D Film. Warum das dann nicht in stereokopischer Präzision ebenso erleben ?

      Das ist insofern eine Grundsatzfrage was jeder User davon erwartet.
      Ein dreidimensionaler Raum mit projiz. Holographie Technik zu betreten ist dann sicherlich noch eine andere "echte" 3D Erfahrung.

      Elmar schrieb:

      Filme, die für die gesamte Wiedergabepalette von PC-Monitoren, große Flatscreens über Heimkinoleinwände bis zu ausgewachsenen Kinoleinwänden gleich guten Raumeindruck liefern, sind mit normaler Stereoskopie nicht machbar.
      Das sollte jedem klar sein, der es 1:1 mit der Wirklichkeit vergleichen sollte.

      Elmar schrieb:

      Was könnte man tun, um von den Wiedergabebedingungen unabhängig zu werden?

      Elmar schrieb:

      Meines Erachtens ist es nötig zu jedem Punkt des linken Bildes mit einer schlauen Software den entsprechenden Punkt des rechten Bildes zu finden (und auch die Punkte identifizieren, die wegen der unterschiedlichen Perspektiven nur in einem der Bilder vorkommen).
      Es gibt bereits Verfahren, um damit statische "Livebilder" zu erzeugen. Quasi so, als ob das vorn gesehende real im Raum steht. Auch seitlich betrachtet (egal) bleibt der realistische Eindruck.
      Hierzu muss das Bild aber mit ausreichend Helligkeit von hinten beleuchtet werden.
      Wir entwickeln gerade so ein Beleuchtungssystem für die Firma X.
      Anwendung soll das Ganze am POS (Werbung) werden, wo der Kunde dann wirklich den Eindruck hat, aus einem Fenster zu schauen.
      Geschickt gesetzte Werbeaspekte im Bild suggerieren dann eine reale Anmutung ohne irgendwie plakativ zu wirken.
      Geplant sind auch Objekte mit 10 - 20 qm Bildern.
      Dazu ist dann auch keine Brille notwendig, das ist ansonsten ja auch nicht nutzbar.

      Elmar schrieb:

      Andere Variante: Es werden nicht nur zwei Bildkanäle aufgenommen, sondern viele - mit unterschiedlichen Stereo-Basisbreiten. Bei der Wiedergabe wird die Basisbreite gewählt, die am Besten zu den Wiedergabebedingungen passt. Das wäre enorm aufwändig, würde dafür aber mehrkanaligen Lentikular-Displays entgegen kommen.
      Genau das passiert mit dem (s. oben) Bild in der Anwendung. Es wird mehrschichtig digital aufgebaut und vorher nach spez. Grundlagen usw. berechnet. Dann ausbelichtet auf Photopapier und entspr. zusammengebaut.
      Die dazu notwendige, extrem hohe Auflösung wird also durch kacheln von A3 Stücken zu einem Großbild erreicht. Dazu kommen weitere Gimmicks inkl. spez. Filter + eine Lichtquelle mit best. Winkeln.

      Projiziert auf eine wirklich Bewegtbildanwendung, müßte dann die Rechengeschwindigkeit astronomisch ansteigen, als auch die Auflösung brutale Größenordnungen erreichen.

      Elmar schrieb:

      Grundlagen wie ich sie beschrieben habe werden weiter verschwiegen oder ignoriert. Verbesserungen des grundlegenden Verfahrens werden nicht untersucht. Geiler Effekt, Verkauf und Hype gehen vor. Ein neues Hoch wird es geben, wenn autostereoskopische Techniken in guter Qualität bezahlbar sind.
      Das mag beim "Gro" der User sicherlich zutreffen ohne das jemand jetzt beleidigt sein sollte. Nur kann der Hype auch dazu dienen, sich mehr mit der mögl. Umsetzung an einer sinnvollen HK Anwendung auseinander zu setzen.
      Und die Problematik im Mastering der Filme schön parallel zu beobachten.

      Elmar schrieb:

      Und vielleicht kommt eines Tages doch "echtes 3D".
      Mit Sicherheit, es ist zum Teil doch auch schon da.



      ANDY
      Heimkino Kurzübersicht zum Schrein
      "Lebenskunst ist die Fähigkeit auf etwas Notwendiges zu verzichten, um sich etwas Überflüssiges zu leisten."

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von ANDY ()

    • ANDY schrieb:

      Das dann generell ein NICHT exakter GRößenvergleich eingehalten wird im Verhältnis zur Wirklichkeit ist doch dann ohnehin auch für 2D der Fall. Oder gibt es 20 m breite Pferde oder 4,5 m Toaster etc.
      Es geht in meiner Erklärung nicht um eine proportionale Vergrößerung oder Verkleinerung von Länge, Breite UND Tiefe.

      Es geht um die Proportionen zwischen zweidimensionaler Größe eines Objektes (also Länge und Breite) und dessen räumlicher Ausdehnung (in die Tiefe).

      Wenn man ein für eine 20m breite Leinwand im produzierten Film auf einer 3m HK-Leinwand oder auf einem 50cm breiten Monitor wiedergibt geraten das Verhältnis Größe/Bildtiefe und die Größenverhältnisse von Objekten zueinander völlig unnatürlich.

      Du siehst ja auch nicht 3:4 im Vollformat auf der 16:9 Leinwand an. So ähnlich ist das mit der gestauchten / gestreckten Bildtiefe - nur in der dritten Dimension - und viel schlimmer, weil neben der falschen Proportionen auch die oben beschriebenen Artefakte dazu kommen.

      Zum Rest: Ja, ich weiß, dass es da alles Mögliche gibt. Brauchbare Ansätze für das, was man uns versucht zu verkaufen (3D Filmgenuss zu hause) sehe ich aber keine.
    • Hallo Elmar,

      da hast Du einen sehr interessanten Beitrag geleistet!

      Wenn ich das lese habe ich eigentlich den Eindruck: ist doch klar und offensichtlich, das kann nicht funktionieren! Hätte ich mir auch denken können. Aber so ist das immer: wenn jemand eine Sache verstanden hat kann er sie so gut und einleuchtend darstellen, dass sie ganz selbstverständlich aussieht.

      Wahrscheinlich sind Deine Überlegungen auch der Grund, warum auf einem "kleinen" Fernseher die ganze Sache nicht so überzeugend aussieht. So ist es wirklich die Frage, inwieweit 42 Zoll 3D die Leute dazu bringt, öfters als ein paar mal am Anfang die Brille aufzusetzen und wenn es keiner merkt, den neu erstandenen Fernseher auf angenehmes und stressfreies 2D umzuschalten.

      Aber was machen wir mit unseren HKs? Wenn ich Deine Überlegungen richtig verstanden habe, müssten wir dafür sorgen, dass unser Sehabstand von der Leinwand zur Leinwandgröße passen muss. Oder einfacher ausgedrückt, wenn wir unsere HeimLW unter dem gleichen Winkel sehen wie vom "Sweet Spot" im Kino, haben wir unser Problem gelöst. Die Gäste, die nicht optimal sitzen, haben halt Pech gehabt.

      Ich bin übrigens überzeugt davon, dass Cameron und sein Kameramann diese Theorie auch kennen. Das meinen die wohl wenn sie sagen, dass Kameraführung und Szenenaufbau bei 3D Produktionen völlig andere Anforderungen erfüllen müssen als bei 2D. Da muss man natürlich lächeln, wenn Panasonic zur IFA den ersten 3D Camcorder für den Hobby Videofilmer herausbringt. Wie dem seine 3D Videos wohl aussehen...

      Wenn also der Film nichts taugt, taugt auch die ganze noch so perfekte Projektion nichts. Und worauf es ankommt, hast Du ja sehr einleuchtend gezeigt!

      Gruß Jürgen
    • Elmar schrieb:

      Es geht um die Proportionen zwischen zweidimensionaler Größe eines Objektes (also Länge und Breite) und dessen räumlicher Ausdehnung (in die Tiefe).

      Elmar schrieb:

      Wenn man ein für eine 20m breite Leinwand im produzierten Film auf einer 3m HK-Leinwand oder auf einem 50cm breiten Monitor wiedergibt geraten das Verhältnis Größe/Bildtiefe und die Größenverhältnisse von Objekten zueinander völlig unnatürlich.
      Hallo Elmar,

      du schreibst es so, als ob das als Gegeben gilt ? Wie kommst du darauf ? Weder im Kino, bei den zahlreichen 3D TV Sichtungen, noch im prof. PJ Bereich habe ich so drastische Einschränkungen erlebt.
      Im Gegenteil, mir fallen andere Dinge ein, die das S3D nachhaltig in seiner Qualität schmälern. Und von 2D in S3D meinst du doch mit Sicherheit nicht ?
      Sorry, aber aus dieser Problematik machst du jetzt einen "Elefanten" (IMO).
      Reden wir von HD 1920 x 2115 S3D ?

      Elmar schrieb:

      Du siehst ja auch nicht 3:4 im Vollformat auf der 16:9 Leinwand an. So ähnlich ist das mit der gestauchten / gestreckten Bildtiefe - nur in der dritten Dimension - und viel schlimmer, weil neben der falschen Proportionen auch die oben beschriebenen Artefakte dazu kommen.
      Nein Elmar das verhält sich so drastisch definitiv nicht. Ich gebe dir Recht, das gewisse Tiefendarstellungen in ihrer Anmutung zueinander nicht absolut real rüberkommen, doch dieser Effekt wird weder schlimmer, noch besser, wenn ich das Display (respek.LW) in der Größe ändere. Im größeren Bild fällt es dann nur mehr auf.
      Im übrigen, warum sollten jetzt die Filmemacher auf die untersch. Bedürnisse der Sehegewohnheiten in Punkto Größe und Abstand Rücksicht nehmen ?
      Endweder die Technik taugt für jede Bild GRöße und Abstand damit oder ist gleich für die Tonne.
      Worauf im Moment lediglich Rücksicht genommen wird, sind noch größe IMAX Produktionen, wo dann andere Blickwinkel etc. zum Tragen kommen.

      Der Rest wäre (IMO) Hype in die andere "Contra" Richtung ganz ehrlich.

      ANDY
      Heimkino Kurzübersicht zum Schrein
      "Lebenskunst ist die Fähigkeit auf etwas Notwendiges zu verzichten, um sich etwas Überflüssiges zu leisten."
    • HJS schrieb:

      Wahrscheinlich sind Deine Überlegungen auch der Grund, warum auf einem "kleinen" Fernseher die ganze Sache nicht so überzeugend aussieht. So ist es wirklich die Frage, inwieweit 42 Zoll 3D die Leute dazu bringt, öfters als ein paar mal am Anfang die Brille aufzusetzen und wenn es keiner merkt, den neu erstandenen Fernseher auf angenehmes und stressfreies 2D umzuschalten.
      Nabend,

      hast du das auf versch. TV´s einmal gesehen ? Nach Elmar´s Aussagen darüber wäre ein Darstellung kompl. unnatürlich. Das noch einige Probleme zum Teil sichtbar sind, stelle ich nicht in Abrede, doch die Qualität als Solches ist wirklich auf einem noch nie dagewesenden Niveau. Oder sind alle Leute "blind" ?
      Also selber anschauen und immer wieder vergleichen und dann daraus seine Schlüße ziehen, kann ich nur jedem interes. User raten, egal in welche Größenordnung investiert werden soll (oder auch nicht).

      HJS schrieb:

      Aber was machen wir mit unseren HKs? Wenn ich Deine Überlegungen richtig verstanden habe, müssten wir dafür sorgen, dass unser Sehabstand von der Leinwand zur Leinwandgröße passen muss. Oder einfacher ausgedrückt, wenn wir unsere HeimLW unter dem gleichen Winkel sehen wie vom "Sweet Spot" im Kino, haben wir unser Problem gelöst. Die Gäste, die nicht optimal sitzen, haben halt Pech gehabt.
      Ich habe auch schon sehr weit seitlich auf mehrere LW Projektionen geschaut, klar geht dann die Tiefenwirkung etwas runter....und ?
      Die generell höhere Raumabbildung bricht dann trotzdem nicht zusammen. Gewisse Farbfacetten verändern zum Teil, je nach Technik z.B.. Nur dann muss man schon unnormal seitlich sitzen, wer macht das dann in der Praxis ? Also im Beispiel 5 m Bildwand mit 5 m Abstand aber Raum ist 10 m breit und außen sitzen noch Welche.

      HJS schrieb:

      Ich bin übrigens überzeugt davon, dass Cameron und sein Kameramann diese Theorie auch kennen. Das meinen die wohl wenn sie sagen, dass Kameraführung und Szenenaufbau bei 3D Produktionen völlig andere Anforderungen erfüllen müssen als bei 2D. Da muss man natürlich lächeln, wenn Panasonic zur IFA den ersten 3D Camcorder für den Hobby Videofilmer herausbringt. Wie dem seine 3D Videos wohl aussehen...
      Keine Frage, das ist im Grundsatz wohl vielen Filmemachern jetzt auch bewußt, das nur mit einem entspr. "Umdenken", wirklich gut gemachte S3D Bilder dabei rauskommen können.
      Das "KirmesKino" sollte doch jetzt endlich der Vergangenheit angehören.


      ANDY
      Heimkino Kurzübersicht zum Schrein
      "Lebenskunst ist die Fähigkeit auf etwas Notwendiges zu verzichten, um sich etwas Überflüssiges zu leisten."
    • Hallo ANDY,

      ich bewundere, wie Du kompromisslos das 3D Thema verteidigst!

      Ich bin auch der Meinung, dass 3D für Kino und unser HK eine tolle Innovation ist. Allerdings habe ich von ELMARs Post einige grundsätzliche Erkenntnisse gewonnen.

      Z.B. dass -ein guter 3D Film vorausgesetzt- ich den richtigen Sehbabstand einhalten muss. Das ist wahrscheinlich gar nicht so einfach, weil der Winkel, unter dem man im Kino die Cinemascope LW sieht, ziemlich groß ist, und wir üblicherweise nicht so nah an unserer LW sitzen. Das ist für diejenigen unter uns, die ein Wohnzimmerkino haben, bestimmt eine besondere Herausforderung!

      Gruß Jürgen
    • HJS schrieb:

      ich bewundere, wie Du kompromisslos das 3D Thema verteidigst!
      Nabend,

      ja ich merke, ich muss das jetzt auch hier etwas zurückfahren....der Stempel kommt... ;)

      HJS schrieb:

      Ich bin auch der Meinung, dass 3D für Kino und unser HK eine tolle Innovation ist. Allerdings habe ich von ELMARs Post einige grundsätzliche Erkenntnisse gewonnen.
      Keine Frage, wenn Elmar etwas zum Besten gibt, hat das (IMO) immer ein Fundament. Das stelle ich überhaupt nicht in Abrede.

      HJS schrieb:

      Z.B. dass -ein guter 3D Film vorausgesetzt- ich den richtigen Sehbabstand einhalten muss. Das ist wahrscheinlich gar nicht so einfach, weil der Winkel, unter dem man im Kino die Cinemascope LW sieht, ziemlich groß ist, und wir üblicherweise nicht so nah an unserer LW sitzen. Das ist für diejenigen unter uns, die ein Wohnzimmerkino haben, bestimmt eine besondere Herausforderung!
      Optimal im THX Winkel von 36 Grad (wenn ich richtig informiert bin), dat habe ich in meinem HK auch, wie viele andere User übrigens.
      Jürgen was siehst du da für ggf. "schwarze Schafe" kommen ? :cola:
      Die Herrausforderung ist dein Part, schau dir alle Konstellationen im Laufe der nä. Zeit an, das wäre mein Tipp.
      Oder du kommst zu meinem Termin, auch darüber können wir per PM mal sprechen.

      ANDY

      PS
      ich bin jetzt stiller hier. :thumbs:
      Heimkino Kurzübersicht zum Schrein
      "Lebenskunst ist die Fähigkeit auf etwas Notwendiges zu verzichten, um sich etwas Überflüssiges zu leisten."
    • Moin, ANDY :)

      ANDY schrieb:


      Oder sind alle Leute "blind" ?

      Das erweckt nun bei mir den Eindruck "alle Leute" wären begeistert.
      Für mich(!) sind die Resultate (noch) nicht befriedigend und meine bisherigen
      Sessions (Avatar im Kino und Demos im Handel) lassen mich zum Schluß kommen das ich das nicht brauche.
      Der Seheindruck erscheint mir einfach unnatürlich - übrigens weit unnatürlicher als 2D!
      Ich will aber nun nicht sagen man müsse blind sein um das nicht zu sehen ;)
      Die Theorie hinter den Problemen schlägt in der Praxis klar durch.
      Offensichtlich nehmen aber einige Menschen die Fehlinformationen nicht so störend wahr.

      So oder so: Sehr schöner Bericht, Elmar!
      Liebe Grüße
      ~Michael~

      Wenn sich die Kunden angewöhnen erst dann Produkte zu kaufen, wenn diese
      zumindest relativ gut funktionieren, dann wird auch solche Ware angeboten!


      °

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Michael ()

    • Schöner Bericht Elmar. Ähnlich wissenschaftlich tief steigen sicherlich nur die Wenigsten ein. Man sollte in solchen Diskussionen auch nicht nach "wo bleiben die Anderen" fragen, sondern eher mal danach, warum so etwas nicht wirklich mal ganz ausführlich auf 10 Seiten in den bekannten "Fachmagazinen" abgehandelt wird ! Vermutlich würden dann ähnliche Erkenntnisse der Hardwareindustrie nicht so richtig ins Konzept passen und man berichtet lieber von den "AH" und "OH" Sonnenseiten des neuen Formats. Hier im Forum wird es eher bei einer "Gusto" Diskussion bleiben....
      Grüße, Andreas

      ME-Geithain, Meridian, Calman, 3D Cinemascope TV. 2D DLP Beamer ist verkauft....noch immer auf der suche nach einem Nachfolger, der mir gefällt
    • HJS schrieb:

      1) Wenn ich das lese habe ich eigentlich den Eindruck: ist doch klar und offensichtlich, das kann nicht funktionieren!
      2) Wahrscheinlich sind Deine Überlegungen auch der Grund, warum auf einem "kleinen" Fernseher die ganze Sache nicht so überzeugend aussieht.
      3) Wenn ich Deine Überlegungen richtig verstanden habe, müssten wir dafür sorgen, dass unser Sehabstand von der Leinwand zur Leinwandgröße passen muss.
      4) Ich bin übrigens überzeugt davon, dass Cameron und sein Kameramann diese Theorie auch kennen.
      5) Das meinen die wohl wenn sie sagen, dass Kameraführung und Szenenaufbau bei 3D Produktionen völlig andere Anforderungen erfüllen müssen als bei 2D.
      6) Da muss man natürlich lächeln, wenn Panasonic zur IFA den ersten 3D Camcorder für den Hobby Videofilmer herausbringt. Wie dem seine 3D Videos wohl aussehen...
      1) So drastisch würde ich das nicht sagen. Es funktioniert gut, wenn die Aufnahme- und Wiedergabebedingungen aufeinander abgestimmt sind. Unsere räumliche Wahrnehmung ist auch sehr fehlertolerant, so dass auch größere Abweichungen bei der Wiedergabe kein Problem sind. Geht man aber von einer 20m Kino-Leinwand auf eine 3m HK-LW - oder gar auf einen 1m breiten Fernseher oder 0.5m breiten Monitor, dann sind die Abweichungen schon sehr groß. Es entsteht kein realistisches Raumbild mehr, das Sehen kann unkomfortabel werden.

      2) Genau. So ist es.

      3) Das reicht leider nicht. Es geht um die absoluten Werte. Wir erinnern uns: Unser Augenabstand ist eine Konstante. Für ein Objekt am Horizont muss der horizontale Versatz von R und L dem Augenabstand entsprechen. Wenn wir die Leinwand verkleinern, reduziert sich auch der horizontale Versatz von R und L proportional. Resultat: Wir schauen wir in einen Kasten, der in der Tiefe begrenzt ist - und auf dessen "Rückwand" die Objekte abgebildet werden, die in der Natur am Horizont liegen. Modell "Puppenküche".

      4) Ja, das tun sie. Sebstverständlich - und sehr gut. Eine Möglichkeit die räumliche Wahrnehmung realistisch und komfortabel zu gestalten ist, die räumliche Tiefe bei der Aufnahme einzuschränken: Keine sehr nahen Objekte, kein Horizont. Aufnahmen in Räumen oder im Dschungel (Avatar) haben keinen Horizont und sind gut geeignet.

      5) Ja. Ein Beispiel: Meine bessere Hälfte kam gestern spät abends vom Dreh zurück. Erster Drehtag in 3D. Es hat geregnet. Bei Regen kann man nicht 3D drehen. Die Regentropfen machen ja nicht 10m vor der Kamera halt. So ist Bildinformation in der gesamten Raumtiefe bis zur Kamera vorhanden. Zu große Raumtiefe ist immer ein Problem bei 3D.

      6) Würde ich so nicht sagen. Wenn der ambitionierte 3D-Hobbyfilmer weiß, was er tut (weil er zum Beispiel schon lange in der Stereofoto-Ecke zuhause ist), dann kann das schon eine tolle Sache sein.


      ANDY schrieb:

      Du schreibst es so, als ob das als Gegeben gilt? Wie kommst du darauf?
      Durch Lesen, Formeln verstehen und vielen Experimenten mit stereoskopischen Fotos.

      Einen Einstieg bietet zum Beispiel Stereofotografie und Raumbildprojektion von Gerhard Kuhn. Das Buch ist betagt und stammt aus der Wendezeit zur Digitalfotografie, 1999 - was aber wegen der Unabhängigkeit von der späteren technischen Umsetzung dem Inhalt keinen Abbruch tut. Das, was ich im Startposting auf einer Seite zusammengefasst habe, ist dort sehr ausführlich erklärt. Inklusive der Herleitung aller Formeln und der wichtigsten Rahmenbedingungen die "3 goldenen Regeln" für Stereoskopie. Kompliziert ist das nicht, aber interessant.


      ANDY schrieb:

      Reden wir von HD 1920 x 2115 S3D ?
      Hallo, jemand zuhause? Ist immer noch nicht angekommen, wovon ich rede?

      Ich rede nicht von einer bestimmten Technologie - nicht davon, ob wir unser Fahrzeug mit einem Benziner, Wasserstoff-Motor oder Düsenantrieb bewegen. Ich rede von den Grundlagen, davon, ob das Fahrwerk für die geplante Strecke überhaupt geeignet ist.

      Das Startposting ist völlig technik-unabhängig. Die Problematiken gelten für jede Art der heute gängigen stereoskopischen Projektion. Ganz egal ob Anaglyphen-Verfahren am uralten VGA-LCD, lineare Polfilter am Diaprojektor oder Interferenzfilter mit 4K High-End Projektoren.


      ANDY schrieb:

      Entweder die Technik taugt für jede Bild Größe und Abstand damit oder ist gleich für die Tonne.
      Die heute praktizierte Technik taugt definitiv NICHT uneingeschränkt für jede Größe und jeden Abstand. Weicht man zu weit von den Soll-Werten ab, leidet der räumliche Eindruck, die Wahrnehmung wird unnatürlich oder unkomfortabel.

      Die Frage ob das für die Tonne ist muss jeder für sich selber beantworten. Meine Antwort steht im Startposting unter "Alles fauler Zauber?"


      ANDY schrieb:

      Oder sind alle Leute "blind" ?
      Vielleicht achten sie wegen der Begeisterung für die neue Technik einfach noch nicht auf Sachen wie gestauchte und begrenzte räumliche Tiefe und auf Pappkameraden. Oder sie haben die entsprechende Seherfahrung (noch) nicht.

      Wie Michael schon sagt gibt es auch Leute, die S3D als unnatürlich oder anstrengend empfinden. Die Ursachen sind oft nicht nur subjektiv, sondern liegen auch daran, dass Wiedergabebedingungen weit von dem entfernt sind, wofür das Material gemacht ist.


      Michael schrieb:

      So oder so: Sehr schöner Bericht, Elmar!
      Danke :bigsmile:
    • Andreas S schrieb:

      Ähnlich wissenschaftlich tief steigen sicherlich nur die Wenigsten ein.

      :scham:

      Ach, sagen wir mal "analytisch" oder "systematisch".

      "Wissenschaftlich" wäre es erst, wenn man neben der banalen Frage "Wo schneiden sich die Sehachsen" auch Versuchsreihen mit hunderten Probanden durchführen würde, um all das einzubeziehen und zu quantifizieren, was unser räumliches Sehen dazu erfindet oder unterschlägt.

      Das wäre mal eine spannende Aufgabe...
    • Hi Elmar,

      es würde mich nicht wundern, wenn es gerade auf Seiten der technikverliebten Japaner, also zum Beispiel vom NHK, etwaige Studien und Erfahrungsberichte / Material dazu gibt. Dort entwickelt man aktiv an 3D mit (auch ohne Brille), und führt enstprechende Tests durch, was deren Newseite auch impliziert. Natürlich wird nicht jeder sein etwaiges Wissen so ohne weiteres preisgeben und viele aktuelle Erkenntnisse stehen bestimmt erst einmal nur gewissen Gremien zur Verfügung. Wie gesagt, einiges was Du ja schreibst, könnte man als recht kritisch einstufen, auch wenn wir 1% im Massenmarkt keine Rolle spielen.

      Was ich mit wissenschaftlich meinte, ist dein "Formelspiel" im Beitrag weiter oben. Leider gibt es zu wenige, mich eingeschlossen, die da ähnlich tief an der Basis einsteigen und Formeln wälzen. Spannend in der Tat :jump:
      Grüße, Andreas

      ME-Geithain, Meridian, Calman, 3D Cinemascope TV. 2D DLP Beamer ist verkauft....noch immer auf der suche nach einem Nachfolger, der mir gefällt
    • @Elmar
      Ein hervorragender Artikel! Seit langem wird der Beisammen-Informationspool mal wieder erheblich erweitert! :bier: :bier: :bier:

      Mich erinnert das alles sehr stark an (Mehrkanal)-Stereophonie. Es ist nur eine Trickserei, die die Unzulänglichkeiten unserer Wahrnehmung ausnutzt. Damit bleibt Steoreoskopie auch nur eine Projektion, die mal mehr und mal weniger gut funktioniert. Der Anspruch, das 3D-Original zu sehen, kann damit nie erfüllt werden. Genau wie bei der Stereophonie. Das begreifen nur viele nicht. Es handelt sich aber weiterhin um eine Projektion auf eine niedrigere Dimension (Bild: 3D->2D, Ton: 3D->1D). Dabei gehen immer informationen verloren.

      In der Natur ist genau der Bereich scharf, auf den wir fokussieren. Bei einem Stereobild erscheint genau der Bereich scharf, der bei der Aufnahme scharf abgebildet wurde. Bei einer Aufnahme die von vorne bis hinten knackescharf ist, nehmen wir das auch so wahr. Auch wenn unser Blick schweift. Hat die Aufnahme dagegen z.B. einen scharfen Vordergrund und einen verschwommenen Hintergrund, kann unser Blick in die Ferne schweifen wie er will - der Horizont wird nicht scharf.


      Das hat mich am meisten bei "Avatar" gestört. Die Kamera hat trotz S3D eine geringe Schärfentiefe bzw. sie wurde beim Rendering simuliert. Damit waren Objekte, die sehr weit aus der Leinwand herausragten nicht fokussierbar. Egal wie stark ich mich angestrengt habe, es blieb der Eindruck von Schielen.

      Was könnte man tun, um von den Wiedergabebedingungen unabhängig zu werden?

      Meines Erachtens ist es nötig zu jedem Punkt des linken Bildes mit einer schlauen Software den entsprechenden Punkt des rechten Bildes zu finden (und auch die Punkte identifizieren, die wegen der unterschiedlichen Perspektiven nur in einem der Bilder vorkommen).


      Man könnte das Ganze vielleicht auch als Metadaten aufziehen. Normalerweise sind durch den geringen Abstand der beiden Kameras ja beide Bilder fast identisch. Also müsste es ja reichen, aus dem einen Bild zwei zu generieren, indem man für bestimmte Bildpartien die Entfernung überträgt. Am Anzeigegeräte müsste man dann Leinwandbreite, Sitz- und Augenabstand konfigurieren können und in Echtzeit beide Bilder errechnen. Dabei würden dann die Bildpartien gegeneinander verschoben. Das benötigt abersicherlich (noch) zu viel Rechenleistung und ob es tatsächlich funktioniert, weiß ich auch nicht. ;)
    • Freut mich, wenns gefällt. :bier:


      FoLLgoTT schrieb:

      Am Anzeigegeräte müsste man dann Leinwandbreite, Sitz- und Augenabstand konfigurieren können und in Echtzeit beide Bilder errechnen. Dabei würden dann die Bildpartien gegeneinander verschoben.
      Ja, in der Art stelle ich mir eine Transformation von einer S3D Wiedergabesituation auf eine andere Wiedergabesituation vor. Wobei der Augenabstand nur von theoretischem Interesse ist - unsere Wahrnehmungstoleranz ist deutlich größer, als individuelle Unterschiede beim Augenabstand (das nur der Vollständigkeit halber).

      Ob sich der Aufwand für einen derartigen S3D-Prozessor am Ende des Tages lohnt weiß ich nicht. Im Sinne eines natürlichen und komfortablen Raumbildes sicher - aber gemessen daran, dass wieder nur ein stereoskopisches Bild raus kommt eher nicht. Der Absatz war mehr als Gedankenexperiment gedacht, als das ich ernsthaft auf so eine Maschine warte.
    • Hallo,

      ich denke, deshlab ist S3D für Computerspiele besonders interessant. Die Bilder müssen eh in Echtzeit gerendert werden, also ist es kein Problem dort die Parameter der Wiedergabebedingungen einfließen zu lassen.

      Interessant finde ich diese Anmerkung zu dem Thema Wiedergabetransformationen aus dem Stereoforum:
      IFA 2005 auf dem Grundig Stand - mit nur 2 Kameras in FullHD 30 Bildern pro Sekunde aufgenommen, in ein 3D Objekt umgerechnet und 6 weitere Ansichten zwischen den beiden echten zurückgerechnet - die 8 Ansichten dann für ein autostereokopischen Bildschirm verschachtelt - und das alles in Echtzeit - wohl gemerkt vor 5 Jahren schon...

      Leider habe ich das nicht selber gesehen.


      @Elmar: Deine Zusammenstellung ist mit das Beste, was ich zu dem Thema hier gelesen habe. Kaum einem sind diese Zusammenhänge klar, so dass es immer wieder Enttäuschung gibt, weil der teure 3D-Fernseher, wie ein Puppentheater mit Scherenschnittfiguren wirkt. und auf der anderen Seite, kann das was auf dem kleinen Bildschirm genial ist, auf der HK-Leinwand schon Kopfschmerzen verursachen.

      Gruß
      Thechnor
    • Hi,

      nach wie vor interessante Diskussion.

      Bei all dem was ich hier so lese und glaube verstanden zu haben ist theoretisch die optimale Sitzposition unendlichweit vor einem unendlich grossen Bildschirm/Leinwand weg zu sitzen.

      Das andere Extrem waere die Nase direkt auf die Leinwand zu druecken um somit die volle Tiefe bis zum Horizont "tiefenrichtig" darstellen zu koennen.

      Nur dann koennten die "Tiefenfehler" wie z.B. der Puppenstuben-Effekt unterdrueckt werden.

      Das wuerde dann bedeuten, dass fuer alle Betrachter im Kino oder auch Wohnzimmer gleichzeitig keine "tiefenrichtige" Darstellung moeglich ist. Theoretisch ist fuer alle bis auf einen irgend ein perspektivischer Fehler vorhanden. Aber gut, wir haben ja noch unser Hirn, dass einige dieser Fehler korrigiert.

      Die einzig technisch vielleicht machbare Alternative waere fuer jeden eine Brille zu haben, in die kleine Bildschirmchen eingebaut sind. Es ist aber sehr fraglich, ob diese Alternative praktikabel ist.

      Gruesse,

      Juergen

      PS: Wenn ich mich recht erinnere kann das Auge zusammen mit dem Gehirn die perspektivischen Fehler korrigieren und sich sogar daran gewoehnen. Wenn das so ist, frage ich mich, ob man nach einer langen Filmnacht in 3D noch unfallfrei ins Bett findet. ;)
      Theorie ist, wenn einer alles weiss, aber nichts funktioniert. Praxis ist, wenn alles funktioniert, und keiner weiss warum.
    • Thechnor schrieb:

      Zitat
      IFA 2005 auf dem Grundig Stand - mit nur 2 Kameras in FullHD 30 Bildern pro Sekunde aufgenommen, in ein 3D Objekt umgerechnet und 6 weitere Ansichten zwischen den beiden echten zurückgerechnet - die 8 Ansichten dann für ein autostereokopischen Bildschirm verschachtelt - und das alles in Echtzeit - wohl gemerkt vor 5 Jahren schon...

      Ach, das gibt's schon? Interessant. Daraus leite ich ab, dass es a) funktioniert und b) sinnvoll ist - auch wenn die Anwendung hier etwas anders gelagert ist.


      Thechnor schrieb:

      Puppentheater mit Scherenschnittfiguren
      Guter Vergleich. :rofl:

      Sehr treffend. Gefällt mir.
    • Juergen S schrieb:

      Bei all dem was ich hier so lese und glaube verstanden zu haben ist theoretisch die optimale Sitzposition unendlichweit vor einem unendlich grossen Bildschirm/Leinwand weg zu sitzen.
      Ich habe keine Ahnung, woraus du das abgeleitet hast. Ein unendlich großer Bildschirm sprengt auch ein wenig meine Vorstellungskraft.

      Ich vermute aber, dass die Schlussfolgerung falsch ist - und erkläre auch, warum:

      Objekte die aus der Leinwand rausragen sind ein sparsam einzusetzender Effekt. Das heißt die meisten Bildinhalte sollten zwischen der Leinwand und dem Horizont ("im Unendlichen") erscheinen. Für diese Inhalte gilt ein Versatz zwischen Null (Sehachsen schneiden sich in der LW-Ebene) und dem Augenabstand (Sehachsen sind parallel). Zwischen Null und gut 6cm Versatz spielt sich im Idealfall also alles ab - und zwar unabhängig (!) von der Größe der Leinwand - also auch für den Grenzfall "unendlich große Leinwand".

      Wenn du nun unendlich weit weg sitzt, sind sie Sehachsen immer parallel - egal, ob die Punkte auf der LW zusammen fallen oder 6cm voneinander entfernt sind. Da kommt kein Tiefeneindruck zustande.

      Aber vielleicht kann man gerade bei einer unendlich weit entfernten Leinwand die Objekte doch vor die Leinwand positionieren? Mensch, Jürgen, deine Überlegung macht mich ganz kirre :silly:


      Juergen S schrieb:

      Theoretisch ist fuer alle bis auf einen irgend ein perspektivischer Fehler vorhanden. Aber gut, wir haben ja noch unser Hirn, dass einige dieser Fehler korrigiert.
      Theoretisch ja. Praktisch ist es auch so, wie du schreibst: Das Gehirn korrigiert überraschend viel.

      Ohne weitere Belege habe ich rein subjektiv das Gefühl, dass eine Verdopplung oder Halbierung (+100% / -50% - also ein Faktor 4) der Leinwandbreite gut verdaut wird, auch unter Hinnahme einer leichten Sehachsendivergenz - genauso wie eine Änderung des Verhältnisses Sitzabstand/LW-Breite um +40 / -30% (Faktor 2).

      Zwischen Kino-Leinwand 20m und Fernseher 1m liegt ein Faktor 20. Das geht dann nicht mehr ohne sichtbare Einbußen.
    • Elmar schrieb:

      Objekte die aus der Leinwand rausragen sind ein sparsam einzusetzender Effekt. Das heißt die meisten Bildinhalte sollten zwischen der Leinwand und dem Horizont ("im Unendlichen") erscheinen.


      OK, da bin ich bei Dir.

      Sind das theoretische Betrachtungen oder sogar schon in der Praxis angewandte Methoden, z.B. bei Avatar?

      Das bedeutet doch aber auch, dass 3D-technisch kein Objekt naeher dargestellt sein kann, als die Entfernung zur Leinwand.

      Auf der anderen Seite haben mich bei meinen wenigen 3D-Erfahrungen die aus der Leinwand herausragenden Objekte am meisten begeistert. Zum Beispiel die "Terminator 3" in Disney-Land, wenn Quecksilber-Tropfen im Raum herumwabern. Aktuell auch ein 3D-Trailer bei Youtube mit einer Schlange, die sich so schoen vor Deinem Kopf aufbaut (eine gewisse Verwandtschaft zu Kaa aus dem Dschungelbuch ist nicht verkennbar).


      Elmar schrieb:

      Aber vielleicht kann man gerade bei einer unendlich weit entfernten Leinwand die Objekte doch vor die Leinwand positionieren?


      Das war mein Gedanke dahinter. ;)

      Gruesse,

      Juergen
      Theorie ist, wenn einer alles weiss, aber nichts funktioniert. Praxis ist, wenn alles funktioniert, und keiner weiss warum.
    • Hallo,

      der Effekt des Herausragends ist das Salz in der S3D-Suppe. Das heißt er sorgt für das AHA-Erlebnis, nutzt sich aber zum einen schnell ab und zum anderen wird er auf die Dauer anstrengend. Bei guten Filmen wird er gerade im rechten Maß eingesetzt. Auch bei Avatar spielte sich das meiste hinter der Leinwand ab. Am angenehmsten sind die Bildteile, die scheinbar ungefähr auf Leinwandebene liegen.. Das ist aber auch das langweiligste.

      Den definiertesten Raumeindruck bekommt man natürlich mit Betrachtern, die man direkt vorm Auge hat. Durch die Linsen des Betrachters kann das Auge gerade nach unendlich schauen. Aber selbst da kann es bei unpassender Wahl der Basis bei der Aufnahme zu Kulisseneffekten und Pappkamaraden kommen.

      Gruß
      Thechnor
    • Juergen S schrieb:

      Das bedeutet doch aber auch, dass 3D-technisch kein Objekt naeher dargestellt sein kann, als die Entfernung zur Leinwand.

      Doch, kann schon. Im Extremfall direkt vor dir, "zum Greifen nah". Objekte erscheinen vor der Leinwand, wenn das linke Teilbild auf der LW rechts neben dem rechten Teilbild liegt - d.h. sich die Sehachsen sich vor der Leinwand schneiden. *)

      Technor hat das schön erläutert. Zuviel davon ist auf Dauer anstrengend. Ich möchte zu der Salz-in-der-Suppe Formulierung daher hinzufügen: Man kann eine Suppe auch versalzen.


      *) Kleines Extrembeispiel:

      Augenabstand 6cm, das Objekt soll 60cm vor dir sein. D.h. die Sehachsen müssen sich also dort, 60cm vor dir schneiden. Es entsteht ein Dreieck mit Höhe/Basis von 60cm/6cm = 10:1

      Deine Sehentfernung zur Leinwand beträgt 20m (Kino). Das Objekt ist also 19,4m (20 - 0,6) vor der Leinwand.

      Strahlensatz: 10:1. Auf jeden Meter Entfernung wird das Dreieck um 10cm breiter. Bei 19,4m hat es eine Breite von 1,94 m. Das linke Teilbild muss also 1,94m rechts vom rechten Teilbild liegen.

      Dabei schaut man schon ziemlich "über Kreuz". Zwar nicht anders "über Kreuz", als wenn man auf seinen 60cm entfernten Monitor schaut - aber die Augen sind nicht wie beim Monitor auf ein 60cm entferntes Objekt fokussiert, sondern auf die 20m entfernte Leinwand.
    • Zu Elmars Beispiel möchte ich noch zwei Sachen anmerken: Bei so einem Versatz zwischen den Teilbildern muss die Bildtrennung schon sehr gut sein, damit das Ghosting den Eindruck nicht verdirbt. Zum anderen würde bei einem 60cm entfernten Objekt ein gar nicht mal so weit dahinter liegendes unscharf und vom Gehirn ignoriert. Bei dem S3D-Film hingegen bleibt alles scharf, diese Trennung wie beim realen Sehen funktioniert nicht mehr und zumindest ein Teil des Bildes zerfällt und man sieht fiese Doppelbilder. Das macht das sehen höchst unangenehm.

      Gruß
      Thechnor
    • Hallo,

      ich habe noch einmal die theoretischen Überlegungen von Elmar nachvollzogen und bin zu einem für mich interessanten Ergebnis gekommen:
      Es geht doch!

      Und zwar habe ich, was hier scheinbar kaum jemand mag, doch mal etwas die Geometrie zur Hilfe genommen und den Strahlensatz angewendet.
      Dabei habe ich das erste Bild von Elmar zugrunde gelegt und die dortigen Bezeichnungen verwendet.

      Wen’s interessiert (sonst gleich zum Fazit):

      a = Augenabstand
      v = horizontaler Versatz
      e = Leinwandabstand
      t = Objektabstand von der Leinwand

      für meine Überlegungen ist es besser, den scheinbaren Objektabstand O vom Betrachter, nicht von der Leinwand, zu nehmen
      O = e + t

      Dann sagt der Strahlensatz

      a/v = (e +t)/t
      oder
      a/v = O/(O-e)

      damit ergibt sich für den scheinbaren Abstand

      O = a e /(a-v)

      Jetzt kommt der entscheidende Schritt:
      Man kann v durch

      v = a-v‘ (1)

      ersetzen, also durch den Versatz, der am Augenabstand a gemessen wird.
      Dann wird die scheinbare Entfernung eines Objektes im stereoskopischen Bild

      O = a e / v‘ (2)

      Also : der scheinbare Abstand des Objektes ist proportional zur Entfernung des Betrachters von der Leinwand (e) und umgekehrt proportional zur Verschiebung der Stereobilder gegeneinander, wenn man eine „Grundverschiebung“ von einer Augenbreite annimmt.


      Fazit:
      Wenn man von einem stereoskopischen Bild für’s Kino mit seiner breiten Leinwand ausgeht, dann kann man auch bei einer wesentlich kleineren Leinwand (HK-LW, Monitor) den scheinbaren Objektabstand erhalten, wenn ich zwei Dinge tue:

      1.
      Ich muss dafür sorgen, dass auf der kleineren Leinwand die beiden Stereo-Bilder in so einem relativen Abstand projiziert werden, dass sehr weit entfernte Objekte im horizontalen Abstand v = a, also ca. 65mm (Augenabstand) auf der Leinwand erscheinen. Damit wird Gleichung (1) realisiert.

      2.
      Ich muss den Sehabstand von der LW so einrichten, dass e/v‘ genau wie im Kino ist, d.h. man muss so nahe ran, dass man die LW unter dem gleichen Winkel wie im Kino sieht. Damit wird Gleichung (2) realisiert.

      Der erste Punkt ist nicht ohne: bei anaglyphischen Bildern kann ich das gar nicht machen, weil ja nur e i n 2farbiges Bild erzeugt wird. Da habe ich keinen Zugriff auf das einzelne der ursprünglich beiden Bilder.
      Ganz anders ist es beim digitalen Bild, z.B. von der Blue Ray. Da kann ich die Bilder sehr leicht um einige cm verschieben, wenn ich z.B. zwei Projektoren benutze. Wenn ich ein Verfahren mit nur einem Projektor benutze, ist die Sache allerdings heikel. Dann stellt sich die Frage, ob in den Projektoren (oder dem Player oder einem Bildprozessor) der relative Abstand der beiden Bilder in horizontaler Richtung eingestellt werden kann. Wenn nicht, dann hat man die von Elmar beschriebenen Probleme. Also ein sehr wichtiges Feature bei zukünftigen 3D-Projektoren.

      Wer sich für diese Theorie nicht interessiert sondern nur für das Ergebnis:

      Die Theorie sagt, dass ein Film, der mit stereoskopischen Parametern fürs große Kino produziert wurde, auch auf einem kleinen Display so dargestellt werden kann, dass die gleichen Tiefeneindrücke von ganz nah bis unendlich gesehen werden. Dass also keine negativen Effekte wie Zerfall des räumlichen Eindrucks, Gigantismus, Liliputismus oder ähnliches entsteht.
      Dazu muss ich die beiden Teilbilder horizontal etwas verschieben können, z.B. so, dass sie 4cm weiter auseinander auf der LW sind, und ich muss nahe ran an die Leinwand, z.B. Sehabstand gleich Leinwandbreite (bei 16:9).

      Diese Überlegungen sind unabhängig von Elmars Aussagen, dass ein S3D Film sehr sorgfältig produziert werden muss. Das ist genau so wie bei der Blue Ray, wo ärgerlicherweise auch nur wenige Produktionen das Potential wirklich ausnutzen. Auch bleiben Überlegungen, wie ein kleines stereoskopisches Ferseherbild auf den Betrachter wirkt, nach wie vor sinnvoll.

      Aber für das HK weiß ich jetzt, dass es geht!

      Gruß Jürgen


      PS: Wen die Formeln stören, bitte einfach nicht beachten. Wenn man der Sache aber wirklich auf den Grund gehen will, geht es nicht anders.
    • Nabend,

      @Jürgen
      Deine Überlegungen teilen meine Meinung zum generellen Problem der S3D Darstellung auf versch. Bilddarstellungssystemen.
      Stimmen gewise Parameter überein, dann ist die "künstliche" Umsetzung nicht wirklich gravierend im Hinblick auf dessen Geometrie etc. Fehler.
      Hier fallen dann die generellen Hardwareproblematiken (IMO) mehr ins Gewicht.
      Beim TV Betrieb ist das Problem zudem nur bedingt sichtbar, da bei zu weiter Entfernung der 3D Effekt ohnhin nicht mehr wirklich relevant ist.

      Insofern sehe ich das neue Verfahren auch als erweiteter "Kick" auch im HK Bereich. Das das Prozedere eine gewisse "Trickserei" ist, schmälert (IMO) nicht die visuelle höhere Darstellungsfähigkeit im Bild.
      Sicherlich was vorn (Software) nicht reinkommt, kann hinten (Hardware) auch nicht wirklich brillieren. Doch auch umgekehrt kann ich das System bereits voll ausbremsen (oder definitiv schlechter darstellen), wenn die Hardware nicht paßt.

      Stichwort untersch. Shifting der Bilder im Frame Packing Verfahren:
      Einige TV Geräte hatten so eine Schaltung, wo ich die Tiefenschärfe im Effekt verschieben konnte, was sich auf den Sichtabstand proportional auswirkte. Letzteres wohl eher der generellen 3D Effektgeschichte geschulden.
      Im prof. PJ Bereich haben die betref. Probanden eine volle Kontrolle auf die "Darktime, Sync Delay, Frame Dominance und Source Sync (Shutteranpassung z.B.). Daher hier wird aktiv De - Ghostig betrieben und auf die Synchronität der Bildabfolge in Kombination mit den Bewegungen geachtet bzw. eingegriffen.
      Ob das dann auch eine Art "Verschiebung" der Bilder zu Folge haben kann, entzieht sich meiner Kenntnis. Praktisch ist das im Frame Packing Verfahren je möglich, da ja auch in der verticalen bereits 45 Pixel Reihen für eine Korrektur verwendet werden. Horizontal müßte dann auch von der 1920 etwas abgeknabbert werden, um auch dort Korrekturen zu ermöglichen. Dank gutem Scaling wird sich der Auflösungsverlust auch mit Sicherheit nicht sichtbar negativ auswirken, trotz ggf. ungerader Verhältnisse der Bilder oben + unten.
      Die Frage ist nur ob das wirklich nötig ist ? Ich meine nicht, wenn wie oben erwähnt gewisse Verhältnismäßigkeiten eingehalten werden.

      Ich werde diesen Aspekt bei meine Testkonstellation einmal exakter auf den Grund gehen und nachspielen, soweit es geht (10m weiter weg geht ja dann nicht ggf. das Bild verkleinern aber etc.).


      ANDY
      Heimkino Kurzübersicht zum Schrein
      "Lebenskunst ist die Fähigkeit auf etwas Notwendiges zu verzichten, um sich etwas Überflüssiges zu leisten."
    • HJS schrieb:

      Und zwar habe ich, was hier scheinbar kaum jemand mag, doch mal etwas die Geometrie zur Hilfe genommen und den Strahlensatz angewendet.
      Toll gemacht. Dafür gibt es eine Eins mit Sternchen.

      Die Division durch (a-v) zeigt schön, dass um Augenabstand verschobene Teilbilder in der weiten Ferne erscheinen. Die Einführung von v' ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber hilfreich.

      Gerhard Kuhn geht in seinem Buch mit den Formeln noch etwas weiter. Er setzt bei der Aufnahme die Objektivbrennweite mit ein, berücksichtigt die Abstände zu den nächsten und entferntesten Objekten und ermittelt den sich ergebenden Versatz am Film (KB Dia). Bei der Projektion fließt dann der Vergrößerungsfaktor mit ein - also das Verhälntnis LW-Breite zur Breite des KB Dias. Im Digitalzeitalter könnte man das auf Sensor- und Panelbreiten transformieren - oder relativ als Pixel oder % Gesamtbreite ausdrücken.

      Das alles ist interessant - und kommt auch mit dem Strahlensatz aus. Nur für einige Extrembeispiele braucht er einen Tangens, der bei den kleinen Winkeln wieder durch den Winkel selbst (rad) ersetzt wird. Nicht so wild alles...

      Trotzdem fand ich Sonderfall-Beispiele (Objekt in LW-Ebene, Objekt auf halbem Weg zur LW, Objekt in der Ferne, Halbierung/Verdopplung...) einfacher zu verstehen - und schneller zu beschreiben.


      HJS schrieb:

      1. Ich muss dafür sorgen, dass auf der kleineren Leinwand die beiden Stereo-Bilder in so einem relativen Abstand projiziert werden, dass sehr weit entfernte Objekte im horizontalen Abstand v = a, also ca. 65mm (Augenabstand) auf der Leinwand erscheinen. Damit wird Gleichung (1) realisiert.

      2. Ich muss den Sehabstand von der LW so einrichten, dass e/v‘ genau wie im Kino ist, d.h. man muss so nahe ran, dass man die LW unter dem gleichen Winkel wie im Kino sieht. Damit wird Gleichung (2) realisiert.
      Ja, soweit richtig.

      Zu Gleichung (2): Da sehe ich kein Problem, da unsere bevorzugen Entfernungs/Bildbreitenverhältnisse in einem hinreichend engen Bereich schwanken.

      Zu Gleichung (1):

      HJS schrieb:

      Da kann ich die Bilder sehr leicht um einige cm verschieben, wenn ich z.B. zwei Projektoren benutze.
      Das kann man tun. Nur ist es leider nicht so einfach.

      Durch eine Verschiebung eines gesamten Teilbildes verschiebst du nicht nur die weit entfernten Objekte auf den Soll-Wert von 65mm. Es verschieben sich auch die ursprünglich deckungsgleichen Objekte, die in der Ebene der Leinwand erscheinen sollten. Das gesamte Raumbild wandert im Falle einer LW-Verkleinerung und Anpassung des "Fernpunktes" nach hinten. Das, was in LW-Ebene erscheinen sollte ebenfalls. Dieses nach-hinten-wandern nimmt man zwar kaum als solches wahr (wieder mal kompensiert das Gehirn), besser wird der Raumeindruck dadurch aber leider auch nicht.

      Man müsste also Objekte im Vordergrund und in Hintergrund unterschiedlich weit verschieben - die in LW Ebene z.B. gar nicht. Im Klartext: Man müsste wissen, in welcher Tiefe bestimmte Bildpunkte liegen. Daher auch mein Gedankenexperiment mit dem "S3D Prozessor".


      Wer Lust hat zu experimentieren
      • Stereophoto Maker (free) holen
      • Anaglyphen Brille besorgen
      • Mit der Digitalkamera zwei versetzte Aufnahmen machen (1)
      • Die beiden Aufnahmen mit dem Stereophoto Maker über den PC am Monitor oder Projektor wiedergeben (2)

      (1) Einen Stereoschlitten braucht man gar nicht unbedingt - es reicht, wenn man einmal das linke Bein belastet, Foto macht, dann das Gewicht auf das andere Bein verlagert und so um 10 oder 15cm versetzt das zweite Foto macht. Sooo genau ist das nicht. Wichtiger ist, dass die Punkte in der Nähe auf beiden Teilbildern an etwa die selbe Stelle kommen und die Aufnahmen nicht zu sehr gegeneinander gekippt sind. Suchergitter als Orientierung zu Hilfe nehmen.

      (2) Der STPM kann zwei Aufnahmen mit verschiedenen Verfahren darstellen, z.B. Anaglyphen oder Shutterbrille (so lange die Hardware mit macht, was mir nur mit NVIDIA gelungen ist). Dann kann man spielen: Reinzoomen, rauszoomen (simuliert Vergrößerung / Verkleinerung der Leinwand), Teilbilder horizontal verschieben usw.


      Eine kleine Katze muss ich noch aus dem Sack lassen (bevor sich jemand zu sehr in Formeln verliebt)

      Unser Raumsehen interessiert sich wenig für die tatsächliche Konvergenzstellung der Augen oder den gedachten Schnittpunkt der Sehachsen. Es "misst" nicht die Blickrichtungen, um die räumliche Lage zu ermitteln. Wenn das so wäre, würde z.B. der View-Master kein dreidimensionales Bild erscheinen lassen, weil dabei die Sehachsen in engen Grenzen als parallel vorgegeben sind.

      Der Raumeindruck entsteht zum überwiegenden Teil durch "Rechenleistung" des Gehirns bei der Verarbeitung der beiden Teilbilder - und nochmal, nicht durch das Sehachsen-Trallala.

      ABER: Die Sehachsen-Überlegung stellt sicher, dass die Teilbilder in Lage und Perspektive so auf der Netzhaut landen, dass sie weitgehend der Wahrnehmung in der Natur entsprechen. Außerdem lässt sich daraus ableiten, wie ein Objekt in der Natur aussehen müsste, wenn wir die Teilbilder auf die eine oder andere Art "falsch" zuspielen.

      Also ein sehr hilfreiches Modell um realistische und angenehme Raumbilder zu erzeugen und zu überlegen, was passiert wenn... Der tatsächliche räumliche Wahrnehmungsprozess funktioniert anders (und ich vermute mal er ist noch sehr unerforscht).

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Elmar ()

    • Elmar schrieb:

      Wer Lust hat zu experimentieren
      Stereophoto Maker (free) holenAnaglyphen Brille besorgenMit der Digitalkamera zwei versetzte Aufnahmen machen (1)Die beiden Aufnahmen mit dem Stereophoto Maker über den PC am Monitor oder Projektor wiedergeben (2)
      (1) Einen Stereoschlitten braucht man gar nicht unbedingt - es reicht, wenn man einmal das linke Bein belastet, Foto macht, dann das Gewicht auf das andere Bein verlagert und so um 10 oder 15cm versetzt das zweite Foto macht. Sooo genau ist das nicht. Wichtiger ist, dass die Punkte in der Nähe auf beiden Teilbildern an etwa die selbe Stelle kommen und die Aufnahmen nicht zu sehr gegeneinander gekippt sind. Suchergitter als Orientierung zu Hilfe nehmen.


      Hi Elmar,

      hab die Software mal mit dem Rot/Cyan-Verfahren ausprobiert. Geht ja sehr einfach.

      Mit der DigiCam einfach draufgehalten und so gleich 4 oder 5 Bilder in Serie gemacht (bei gleicher Blende, Zeit und Fokus) und dabei die DigiCam einfach ein wenig zur Seite bewegt.

      Was ich allerdings nicht geschafft habe ist den Gigantismus- oder Liliputismus-Effekt nachzubilden. Ich hoffte das zu erreichen, indem ich von Aufnahme zu Aufnahme etwa 2cm Abstand hatte, wobei ja 6cm als "Normal-Perspektive" gilt, da es dem Augenabstand entspricht. Hat aber nicht geklappt.

      Bei 2cm und 4cm Aufnahmeabstand muesste ja der Gigantismus-Effekt mehr oder weniger stark rauskommen, und bei 8cm bzw. 10 cm der Liliputsmus-Effekt. Oder hab ich es jetzt genau verdreht?

      Gruesse,

      Juergen
      Theorie ist, wenn einer alles weiss, aber nichts funktioniert. Praxis ist, wenn alles funktioniert, und keiner weiss warum.
    Abonnement verwalten